Tierradentro – Aufstieg zum Gipfel und Abstieg in die Grabkammern

Mittlerweile bin ich in Popayán angekommen, den Durchzugsort für jedermann, der entweder auf den Weg von, oder nach Ecuador ist. Die meisten bleiben daher auch nicht lange, obwohl es viel zu sehen gibt. Neben der Stadt an sich sind das die umliegenden Vulkane, der Dienstag-Markt in Silvia und eben Tierradentro, eine der wichtigsten archäologischen Stätten Kolumbiens, um die es auch in diesem Eintrag gehen soll.

Tierradentro (wörtlich „in der Erde“) liegt etwa 4 Stunden Busfahrt von Popayán entfernt. Auf der Karte sieht es nah aus, doch wie so oft trügt der Schein. Die Straße zwischen den beiden Orten ist in kläglichem Zustand und führt übers Gebirge. Sie ist nur teilweise asphaltiert und oft müssen wir anhalten, um ein entgegenkommendes Fahrzeug abzuwarten. Dabei ist es ganz gut, dass ich auf der linken Seite sitze, denn auf der rechten Seite dürfte oft nicht viel zwischen dem Reifen und dem überall vorhandenen Abhang gefehlt haben. Nach einer Weile im Bus halten wir plötzlich an, denn es gibt kein weiter. Zumindest nicht im Moment. Vor uns wird an der Straße gearbeitet. Sie soll verbreitert werden, weshalb große Mengen Gestein weggesprengt wurden, und nun müssen wir warten, bis die Arbeiter fertig sind für heute. Knapp 3 Stunden später geht es weiter.

Nach fast 8 Stunden Fahrt (von den geplanten 4-5 Stunden) spuckte uns der Bus an einer staubigen Straße aus. Wir sind in einem winzigen Ort mit ein paar Häusern entlang der Straße. Ich schätze, dass hier keine 40 Menschen wohnen. Mit mir ausgestiegen sind noch vier weitere Touristen. Wir sind die einzigen Ausländer im Ort weshalb wir uns auch entschließen, gemeinsam zu Abend zu essen. Dabei werden Erfahrungsberichte über diverse erlebte Reisekrankheiten ausgetauscht, und ich erfahre, dass ich nicht der einzige bin, der wegen eines Affenbisses Tollwutimpfungen bekommen hat. Aber dazu am Ende mehr.

Beginn des Treks

 

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen, denn vor uns lagen 7 Stunden Wanderung. Ich schloss mich dem italienisch/österreichisch-spanischen Paar an, um nicht nur allein vor mich hinzuwandern. Wir starteten am Eingang zum archäologischen Museum, welches aber aufgrund von Umbauarbeiten geschlossen war. Für knapp 3€ (Studenten) oder 6€ (Vollpreis) bekommt man ein kleines Büchlein als Eintrittskarte (mit goldenen Lettern auf dem Cover ist es sicher das schönste Eintrittsticket seit dem Buckingham-Palace). Wenige Schritte nach dem Eingang gesellte sich ein deutscher Schäferhund zu uns, der uns für die ganze Strecke von immerhin knapp 14 Kilometern nicht mehr von der Seite weichen sollte, eher er genauso schnell verschwand wie er aufgetaucht war.

 

„Bolt“ zeigt uns den Weg

Nach einem moderaten Anstieg erreicht man den ersten Stopp. Vor langer Zeit lebte in der Gegend ein Volk, dass für seine Verstorbenen Grabkammern unter Tage aushob, um sie dort in Urnen zu bestatten. Von diesen Gräbern gibt es hunderte in der Gegend, von denen nur ein Bruchteil bisher ausgegraben wurde. Heute sind sie mit Gittern versperrt und überdacht. An jedem Ort gibt es einen Parkwächter mit großem Schlüsselbund, der auf die wenigen Besucher am Tag wartet, um ihnen den Weg hinab in die Gräber aufzusperren. Über hohe Steinstufen gelangt man hinunter, und ich muss zugeben, dass ich mich selten so sehr wie Indiana Jones gefühlt habe, wie in Tierradentro. Die Kammern an sich reichen von einfachen Steinhöhlen bis hin zu verzierten Kammern, och das wahre Abenteuer ist die Wanderung an sich und der Abstieg in die Gräber.

Kaum mehr als ein Loch im Boden…

Wir folgten dem Weg weiter hinauf und passierten dabei weitere Ausgrabungen und jedes Mal waren wir die einzigen Besucher. Während der erste Teil der Ausgrabungen relativ leicht zu erreichen ist, wurde der Weg im zweiten Teil deutlich steiler und anstrengender. Am Nachmittag ließ sich auch die Sonne blicken und ich dachte zum ersten Mal daran, dass es wohl eine schlechte Idee gewesen ist, die Sonnencreme mitsamt meinem Gepäck in Popayán gelassen zu haben. Naja.

Kaffee-Felder

Nach über 5 Stunden und unzähligen Gräbern später erreichten wir endlich den höchsten Punkt der Wanderung, an dem es nicht einmal mehr einen Wächter gab. Die Gräber werden der Einfachheit halber offengelassen. Wir freuen uns, nicht schon nach dem ersten Teil aufgehört zu haben, denn der Ausblick ist einfach hervorragend. Nachdem wir einige Zeit am Gipfel verbracht hatten, blieb uns nichts anderes übrig als den Abstieg zu beginnen, denn am Horizont zog bereits ein Gewitter auf.

Ausblick von ganz oben

Nur wenige Touristen nehmen die beschwerliche Anreise nach Tierradentro auf sich, doch in meinen Augen zahlt es sich sogar mehr aus, als die Ruinen rund um San Agustín, denn hier hat man noch einen zusätzlichen Abenteuerfaktor und genießt nebenbei noch die tolle Landschaft.

Ach ja, die Affengeschichte: Nachdem ich meine Geschichte aus Thailand zum Besten gegeben hatte, bei der ich von einem Affen gebissen wurde und anschließend mehrere Teilimpfungen gegen Tollwut erhalten hatte, hörte ich eine ähnliche Geschichte von einem Engländer, dem dies vor Jahren in Malaysia passiert ist. Nachdem wir mit dem Bus aus Tierradentro wieder in Popayán angekommen waren, trafen wir eben diesen Engländer wieder am Terminal, der uns erzählte, dass er am selben Tag und auf der selben Route, die auch wir genommen hatten, von einem Hund gebissen wurde, uns deshalb erneut Tollwut-Impfungen benötige. Manchmal hat man auch ein Pech im Leben.

 

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