San Agustín – Götzen aus Stein

In Kolumbien ist es so: man glaubt ein Ticket für einen Bus zu haben, einen richtigen Bus wie man ihn sich vorstellt, aber am Ende landet man doch erst wieder in einem von diesen Mini-Vans, die ich schon in Guatemala zu hassen gelernt habe. Wieso? Nunja, wer auch immer die Abstände der Sitzreihen ausgemessen hat, war entweder sehr sehr klein, oder hatte eine sadistische Ader. Jedenfalls ist ein kein Kindergeburtstag in diesen Dingern zu reisen, wenn man 1,84m groß ist. Es wird hineingequetscht, was nur geht, und wenn dann kein Blatt mehr zwischen sich selbst und den Sitznachbarn mehr passt, dann, und nur dann, ist der Busfahrer zufrieden.

So gondeln wir also von Neiva nach Pitalito: Links von mir ein älterer Herr, ehemaliger Soldat im Kampf gegen die FARC („Bewaffnete revolutionäre Kräfte Kolumbiens“) und heute Rechtsanwalt. Rechts von mir ein Mittvierziger, der mir vom Nachtleben in Cali erzählt. Mein Kopf geht immer von links nach rechts, um beiden Gesprächssträngen folgen zu können. Rechts wird mir von den tollen Bars in Cali erzählt *schnell ein freudiges Gesicht machen, und eine Frage zwischenstreuen*, links höre ich von den gefallenen Kameraden im Dschungel von Kolumbien *Emotionswechsel; schnell zu einem bedrückten Gesicht wechseln*. Langsam schläft das Gespräch auf der rechten Seite ein und mir bleibt nur mehr der Anwalt, der es geschafft hat, die ganze Fahrt über, und es waren immerhin 4 Stunden, mir über Gott und die Welt zu erzählen. Irgendwann geht mir doch das Interesse aus, und meine Antworten verkürzen sich auf das Mindeste.

Landschaft um San Agustín

Endlich in San Agustín angekommen, nach einem Zwischenstopp in Pitalito, bekomme ich ein Einzelzimmer und das zum Preis eines Dorm-Bettes. Immerhin etwas nach dieser Fahrt.

Die Hügel San Agustíns wurde vor der Ankunft Kolumbus von einem geheimnisvollen Volk bewohnt, welche ihre Toten in Steinsärgen vergruben und zur Wache Statuen und Götter aus Stein aufstellten. Diese wurden am Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt, und sind seitdem ein Touristenmagnet. Um jedoch alle relevanten Ausgrabungen zu sehen, kann man sich entweder einer geführten Jeep-Tour anschließen, oder irgendwie auf eigene Faust dorthin kommen. Die Orte liegen sehr verteilt daher entschließe ich mich, ein Motorrad zu mieten. Naja gut, es war eher ein Moped, aber es hat seinen Dienst getan, auch wenn es mich zeitweise in die Verzweiflung getrieben hat. Das erste Mal blieb es mir in einer langen Kurve liegen. Zum Glück konnte ich es am Straßenrand abstellen. Ich versuchte es zu starten, trat und trat es, aber nichts geschah. Also blieb mir nichts anderes übrig, als vorbeifahrende Motorradfahrer zum Anhalten zu bewegen. Das war auch erfolgreich. In meiner Schande erkläre ich das Problem, und schnell wurden allerlei Tricks angewandt. Kurz darauf schnurrte mein Moped wieder, und ich verabschiedete mich in Dankbarkeit.

Noch schon bald darauf sollte die Straße sehr sehr schlecht werden, und bei jedem größeren Schlagloch rutschte der Gang zurück in „Normal“. Es war zum Verzweifeln. Dazu kam noch, dass man den Schalthebel ordentlich treten musste, damit man überhaupt einen Gang nach oben schalten konnte. Der Tacho zeigte knapp 85.000km an… alles klar.

Die Pferde wären wohl zuverlässiger gewesen als das Moped

 

Aber am Ende tat es seinen Dienst und ich konnte all die kleinen Ausgrabungen in der Umgebung erkunden, die ich mir vorgenommen hatte, und das Beste dabei war, dass ich dort immer allein war. Niemand machte sich die Mühe die entlegeneren Orte ebenfalls zu besuchen. Die meisten Touristen beschränkten sich auf jene die am nächsten an San Agustín lagen.

 

 

Estrecho del Rio Magdalena

 

Götzen aus Stein #1

 

Götzen aus Stein #2

San Agustín war definitiv die Reise wert, und das Moped tat seiniges dazu, dass ich es nicht so schnell vergessen werde. Es war auch zeitgleich der südlichste Punkt meiner Reise hier in Kolumbien. Von San Agustín aus geht es nun nordwärts, bis an die Karibik-Küste.

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