Desierto de la Tatacoa – Von roten Schlangen und grauen Geistern

Kolumbien! Obwohl ich eigentlich in Bogotá angekommen bin, und dort sogar mehr Tage verbracht hatte, als eigentlich gewollt, schreibe ich zuerst doch über den zweiten Stop meiner Reise und die Geschichte über die Hauptstadt folgt dann am Ende der Reise. „gut

Von Bogotá aus ging es also mit dem Bus 6h lang Richtung Süden und zwei Dinge haben mich gleich am Anfang überrascht: der Zustand der Straßen, welcher sehr sehr gut ist (na gut, verglichen mit den Straßen in Bolivien letztes Jahr ist wohl alles „gut“) und den Kosten für den Transport, welche mit knapp 10€ für die Strecke schon recht hoch sind. Aber natürlich war es kein Direktbus in die Wüste von Tatacoa, sondern nach 6h hieß es umsteigen in Neiva. Dort am Busbahnhof lernte ich zwei Belgierinnen kennen, Katrien und Clio (die das hier ja vielleicht sogar lesen, daher „Hallo euch zwei“) mit denen ich mir dann den Rest des Weges teilte. Auf der Straße gabelten wir dann auch noch einen Kolumbianer auf, der sich als Tour-Guide vorstellte. So fuhren wir also die mehr als schöne Strecke von Neiva nach Villavieja auf der Ladefläche eines Pick-ups. Dort angekommen hieß es wieder Fahrzeug wechseln, nur dass es diesmal unser neuer Freund war, der uns fuhr.

In der Wüste angekommen wurden wir in einem „Hostel“ abgeladen. Es war eher ein Campingplatz, auf den sich auch noch ein paar andere Reisende verwirrt hatten. Schnell bot uns der Besitzer mit dem klingenden Namen Aldemar an uns am nächsten Tag in die Wüste zu führen, für 40.000 COP, also knapp 12€. Die Nacht verbrachten wir in Hängematten draußen und wären Katrien und Clio mit ihrem alles vernichtenden Insektenspray nicht gewesen, dann hätten mich die Gelsen wohl gefressen.

Tagwache 0530. Schnell fertig machen, Sonnencreme einpacken und los ging es mit einem sehr desinteressierten Aldemar voran. Zuerst stand ein kurzer Besuch im roten Teil der Wüste am Programm, doch seinem Führerauftrag kam Aldemar nicht nach, obwohl er wusste, dass wir Spanisch ausreichend verstanden, um seinen Erklärungen folgen zu können. Endlich stieß eine vierköpfige kolumbianische Familie zu unserer Gruppe und Aldemar wurde gesprächsfreudiger. Eine beifällige Bemerkung, dass wir Ausländer ja eh kein Spanisch verstünden und daher Erklärungen überflüssig wären, konnte er sich trotz unseres Beiseins nicht verkneifen. Ein echter Sympathieträger unser Aldemar!

Immerhin sahen wir den roten Teil der Tatacoa-Wüste, welcher aufgrund von Sedimentablagerungen eines früheren Ozeans entstanden war. Durch die Hügel zogen sich abwechselnd weiße und rote Bänder aus Gestein, die stellenweise wie Schlangen aussahen. Am Ende der ersten Etappe hieß es dann endlich: Frühstück!

Die „Rote Wüste“ Tatacoas

Danach warteten wir auf unser Tuk-Tuk, um tiefer in die Wüste fahren zu können. Wir drei standen etwas abseits und Aldemar sprach mit der Familie und dabei viel der Satz „Wenn die Ausländer fragen, sagt ihnen, dass ihr auch 40.000 COP pro Person zahlt, ok?“ Als er sich umdrehte und wegging, tauschte ich Blicke mit dem Vater aus, welcher nur den Kopf schüttelte. Wir hatten also Verbündete gefunden. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Kolumbianer nur 25.000 COP bezahlten. Klar ist der Unterschied umgerechnet keine 5€ und mir ist bewusst, dass Ausländer auf der ganzen Welt betrogen und über den Tisch gezogen werden, aber wenn es so dreist und auffällig passiert, dann heißt es Widerstand leisten.

Gott sei Dank fuhr Aldemar nicht mit uns mit, sondern unser Freund vom Vortag begleitete uns jetzt. Wir verbrachten nette Stunden im anderen Teil der Wüste, welcher sich als der zwar weniger farbenfrohe aber dafür durchaus spannendere Teil entpuppte. Es ging vorbei an ausgetrockneten Flussbetten, dürren Akazien und von Regen verformten Sedimentschichten. Entlang des Weges fanden sich auch immer wieder kleinere Hügel, welche durch den Regen so verformt wurden, dass sie wie Gespenster aussahen, die den Weg bewachten.

 

 

Durch den Canyon der „Grauen Wüste“

 

Vorbei an geisterhaften Dünen

 

Am Ende eines langen und vor allem extrem heißen Tages in der Wüste hieß es dann sich fertig zur Abreise zu machen. Und natürlich musste ich Aldemar nun die Gretchen-Frage stellen: „Wie viel kostet die Tour denn nun?“ und erwartungsgemäß war seine Antwort: „40,000 COP“. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, und meinte nur, dass wir beide ganz genau wüssten, dass dies nicht der richtige Preis sei. Ich hielt ihm auch entgegen, dass ich wüsste, was er hier spiele, und dass es ja ok sei, denn das sei eben das ewige Spiel im Tourismus, aber dass er sich dann doch bitte nicht so ungeschickt anstellen dürfe. Plötzlich war Einsicht zu spüren, und er meinte nur, dass ich eben zahlen solle, was ich für richtig hielte. Ich gab ihm also 30.000 COP, denn auf diese Weise haben wir am Ende beide gewonnen.

Die Wüste liegt nun hinter mir und es geht weiter Richtung Süden ins grüne Hügelland Kolumbiens.

3 Gedanken zu “Desierto de la Tatacoa – Von roten Schlangen und grauen Geistern

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