Bolivien – Ein Fazit

Bolivien, dieses große, dünn besiedelte Land im Zentrum des Kontinents hat weder Küste noch große Ruinen wie sein Nachbarland Peru, aber dennoch wird es von Reisenden aus aller Welt hochgeschätzt. Das liegt nicht nur an seinen vergleichsweise geringen Lebenskosten (das Land gilt als das Ärmste und nach Guayana unterentwickeltste Land Südamerikas), sondern auch an der kargen Schönheit seiner Landschaft und an dem Ruf, ein Hort für Abenteurer und Outdoor-Sportler zu sein. Um ein genaueres Bild über das Land zu geben, hätte ich wohl mehr Zeit hier verbringen müssen, doch die 17 Tage die ich vor allem durch die Andenregion Boliviens gereist bin hat mir zumindest einen Einblick gewährt, den ich hier mit euch teilen möchte:

Beim Grenzübertritt von Peru nach Bolivien merkt man erstmal nichts davon, dass man sich in einem anderen Land befindet. Die Menschen sehen genauso aus, wie auf der anderen Seite, und kleiden sich auch genauso. Dieselbe Sprache sprechen sie sowieso (offensichtlich in Südamerika). Doch desto weiter man Richtung Süden reist, umso mehr werden die Unterschiede offensichtlich. Straßen sind oft nicht so gut ausgebaut wie in Peru und die Dörfer wirken ärmlicher. Doch vor allem ändert sich eines: Die Hutmode der Damen. In Bolivien gehört es für eine Frau von Welt zum guten Ruf, einen passenden Hut zu ihrem Kleid zu tragen. Die Art des Gutes variiert dabei von Region zu Region: So hängt es davon ab, aus welchem Teil des Landes die Damen stammen, ob sie einen Hut mit breiter oder schmaler Krempe tragen, oder gar eine kleine Melone, die geschickt auf den Hinterkopf gesetzt wird.

Doch auch die Preise sind niedriger als etwa in Peru (im Vergleich zu Chile sowieso, habe ich mir sagen lassen). Ohne große Schwierigkeiten kommt man mit weniger als 25€ pro Tag aus, meistens sind es sogar nur um die 20€. Wie bereits eingangs erwähnt, besticht Bolivien nicht durch seine kulturellen Hinterlassenschaften, sondern viel mehr durch seine beeindruckenden Landschaften. Von den azurblauen Wellen des Titicaca-Sees, über die schneebedeckten Gipfeln rund um La Paz bis hin zum absoluten Highlight: der unendlichen Salzebene von Uyuni. Vor allem letztere wird mir wohl für immer in Erinnerung bleiben, auch wenn es im Grunde genommen nichts zu sehen gab, außer Salz. Doch die Ausmaße dieses Ortes sind gewaltig und wohl weltweit auch einzigartig.

Als ich dann endlich den letzten Bergrücken der Anden hinter mir gelassen hatte, veränderte sich die Gegend um mich herum augenblicklich. Ein kurzer 35-Minuten Flug verbindet das hochgelegene Sucre mit dem tropischen Santa Cruz de la Sierra. Nicht nur steigen die Temperaturen schlagartig an, man fühlt sich auch in einem anderen Land. Eher würde man die Umgebung Südost-Asien zurechnen, als Bolivien. Die Häuser sind niedrig und die Stadt weitläufig. Schwüle liegt in der Luft. Auch treffe ich hier eine Bevölkerungsgruppe, die ich keinesfalls erwartet hätte: Armish. Südlich von Santa Cruz hat sich vor einigen Jahren eine Community angesiedelt, und versorgt sich über die Märkte in Santa Cruz. Diese relativ unbekannte Seite Boliviens steckt voller Überraschungen, und ich bin etwas enttäuscht, nicht noch weiter in die Tiefebene reisen zu können, bis zum Amazonas.

La Paz ist dann sowieso eine eigene Geschichte, die ich deshalb auch in einem extra Beitrag beschrieben habe. Laut, voll und stickig erscheint sie auf den ersten Blick, doch nach einer Zeit löst sich das Gewirr und offenbart eine der interessantesten Städte, die ich je gesehen habe. Auf der einen Seite ihr Hexenmarkt, der wie aus der Zeit gefallen wirkt und auf der anderen Seite ihre moderne Seilbahn, die das tief gelegene Stadtzentrum mit den luftigen Höhen von El Alto verbindet. Nur zu empfehlen, wenn man sich von den negativen Seiten nicht abschrecken lässt.

Alles in allem ist Bolivien das, wofür es bekannt ist: eher eine Destination für Abenteuerlustige als für Wohlfühl-Reisende.

 

 

 

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