La Paz – Von Hexen, Hindernissen und Höhenmetern

Schon die Einfahrt nach La Paz ist eindrucksvoll: Vom Flughafen her kommend (der übrigens der höchstgelegenste Südamerikas ist), fährt man über eine enge Bergstraße hinunter ins Tal, wo sich die Hauptstadt Boliviens wie in einem Kessel gelegen befindet. Rund um die Hauptstadt erheben sich mächtige Berge, deren Spitzen mit Schnee bedeckt sind. Am Talboden reihen sich Häuser dicht aneinander und bilden eine graue Masse, die so aussieht, als würde sie an den Wänden des Kessels emporklettern.

Unser Bus hält im absoluten Zentrum der Stadt. Es ist laut und die Autokolonnen scheinen sich nicht zu bewegen. Die meisten Bolivianer setzten sich erst gar nicht dem Stress des Straßenverkehrs aus, und gehen zu Fuß. Die Gehwege sind eng und selten gibt es einen geraden Abschnitt. Pflastersteine fehlen an allen Ecken und Enden, und man muss aufpassen, nicht zu stolpern. Wir haben uns ein Zimmer über Airbnb etwas außerhalb des Zentrums gemietet, doch der Weg dorthin ist steil. Sehr steil. Wir nehmen uns ein Taxi, doch auch dieses schafft den Anstieg nur mit großer Anstrengung. endlich angekommen, haben wir einen hervorragenden Ausblick von der Dachterrasse aus über die Stadt. Es gibt wohl kaum eine andere Hauptstadt die eine solch dramatische Lage hat, wie La Paz.

Da wir nicht allzu viel Zeit für La Paz eingeplant hatten, machen wir uns gleich auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Unser (also eher mein) erstes Ziel ist der „mercado de las brujas“, oder zu Deutsch „Der Hexenmarkt“. Die Bilder, die ich zuvor im Internet gesehen hatte, machten mich neugierig, und ich wurde nicht enttäuscht. Über zwei Querstraßen hinweg reihen sich kleine Verkaufsstände aneinander, hinter denen in der Regel alte Frauen auf Kundschaft warten. Vor ihnen türmen sich allerlei mysteriöse Sachen von getrockneten Kräutern und wurzeln, über Räucherstäbchen, kleine Tonfiguren, Teesorten, Anhänger und natürlich getrocknete Lama-Föten. Der Sinn und Zweck erschließt sich mir nicht, doch habe ich gelesen, dass es sich hierbei ausschließlich um „weiße Magie“ handelt, also um Abwehr von Krankheiten und Glücksrituale. Wir kaufen nichts, aber dennoch ist es eine interessante Erfahrung, durch die engen Straßen mit allerlei ungewöhnlichen Gegenständen zu schlendern.

Getrocknete Lamas am Hexenmarkt

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich zu den Ruinen von Tiwanaku nahe des Titicaca-Sees fahren. Hierfür gehen wir zum Friedhof, von dessen Haupteingang aus ein Bus Richtung Tiwanaku fahren soll. Wir warten und warten, doch nichts tut sich. Wir fragen die Straßenhändler die vorbeikommen, ob das auch der richtige Ort sei, und jeder bejaht uns unsere Frage. Wir warten weiter. Zwei junge Frauen, offensichtlich aus Europa, tauchen auf, und warten mit uns. Nichts passiert. Nach einer guten halben Stunde fragen wir die beiden. Sie sind aus Deutschland. Auch sie wissen nichts Genaueres, außer hier zu warten. Wir fragen erneut Leute. Sie raten uns, zum nördlichen Busterminal in El Alto zu fahren, denn auch von dort gebe es Busse zu den Ruinen. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg. Um nach El Alto zu kommen, kann man entweder ein Taxi nehmen, oder mit dem Teleférico (einer Seilbahn) nach oben fahren. Wir entscheiden uns für die zweite Variante. Kurz vor der Abfahrt entdecke ich ein kleines Schild mit der Aufschrift „Doppelmayr“. Ich muss lachen, denn da hat es tatsächlich eine Firma aus dem kleinen Österreich geschafft, hier in Bolivien ein riesiges Verkehrsnetz aus Seilbahnen aus dem Boden zu stampfen. Die Fahrt ist kurz und angenehm, vor allem deshalb, weil man über das Verkehrschaos von La Paz einfach hinwegschwebt.

In der Seilbahn hoch über La Paz

Oben angekommen spürt man erstmal den Druck in den Ohren. Wir befinden uns auf 4.050m, was uns ein Schild beim Verlassen der Seilbahn anzeigt. Am Busterminal fragen wir uns durch. Nein, nach Tiwanaku gebe es keine Busse von hier, aber von der Hauptstraße. Wir folgen dem Ratschlag. An der Hauptstraße erfahren wir dann, nein von hier fahren keine Busse, wir sollen es doch beim Busterminal versuchen. Jeder der „Asterix erobert Rom“ gesehen hat, kennt die Szene mit dem Passierschein A38. Genauso fühle ich mich im Moment auch. Also geht es wieder zurück zum Terminal. Dort sagt man uns, dass es heute keine Busse nach Tiwanaku gebe, denn die Straße sei von Protestanten blockiert worden. Mit einem Taxi würde es vielleicht gehen. Vielleicht. Ein findiger Taxifahrer bietet uns seine Hilfe an. Für nur 20€/Person würde er uns hin und zurück fahren. Wie er denn an der Blockade vorbeikomme, frage ich ihn. Darauf gibt er keine konkrete Antwort, doch er meint, er würde das schon schaffen. Wir lehnen ab, denn es ist schon Nachmittag, und nicht einmal der Fahrer könne uns garantieren, dass wir es tatsächlich bis Tiwanaku schaffen würden. Aber egal, La Paz selbst hat genug zu bieten, weshalb wir den Rest des Tages in der Stadt verbringen.

Am Tag darauf packen wir unsere Sachen, und fahren erneut zum Terminal, doch dieses Mal wollen wir nicht nach Tiwanaku, sondern zurück nach Lima. Die Dame am Ticketschalter sagt, dass es etwa 32 Stunden dauern würde. Ich schlucke. Wir buchen Tickets für die „1. Klasse“ und beten, dass die Fahrt schnell vorüber gehen würde.

 

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