Salar de Uyuni – Salz soweit das Auge reicht

„Südwärts!“ lautete die Devise, nachdem wir Copacabana hinter uns gelassen hatten, und zwar so weit südwärts, wie ich noch nie zuvor gewesen bin. Mit dem Nachtbus ging es von La Paz aus Richtung Uyuni, eine Stadt, die vor allem für die größte Salzwüste der Welt, die Salar de Uyuni, bekannt ist. Als wir unser Ticket bei einer Agentur in Copacabana kauften, versicherte man uns, dass der Bus Heizung als auch Decken haben werde, denn in Uyuni kann es kalt werden. Sehr kalt. Doch wie so oft, kam dann alles anders. Der Busbetreiber dachte sich vermutlich, dass er sich ein paar Bolivianos sparen könne, indem er die Heizung und die Decken einfach weglässt – wird schon keinem auffallen. Zum Glück hatten wir uns mit mehreren Schichten Kleidung sowie Hauben, Handschuhe und Schals vorbereitet, und glaubt mir, es war nicht übertrieben.

Rund um La Paz

Schon kurz nach dem Einsteigen schlief ich ein und wurde erst gegen 04:00 wieder munter, und was ich da sah, konnte ich anfangs nicht ganz glauben. Wir saßen in der ersten Reihe im zweiten Stock des Buses und die gesamte Frontscheibe war eingefroren! Ausblick: 0. Als wir zwei Stunden später ausstiegen, schlug uns die Kälte voll ins Gesicht. Später sollten wir herausfinden, dass es 10 Grad unter 0 gewesen sind. Zum Glück hatten wir ein Hotel in der Nähe reserviert, wohin wir uns schnell auf den Weg machten, doch erneut kam etwas dazwischen. Am Hotel angekommen läuteten wir, und erst nach einer gefühlten Ewigkeit wurde uns durch die Gegensprechanlage geantwortet, doch es war nicht das, was wir uns erhofft hatten. Anstatt uns hineinzulassen, wurde uns lediglich mitgeteilt, dass man nur auf eine Familie und nicht auf zwei Personen warten würde. Auf unsere Nachfrage, ob wir nicht trotzdem reinkommen könnten, gab es keine Antwort mehr. Mehr noch: Nach mehrmaligem Läuten wurde sogar die Glocke abgedreht – na wunderbar! Doch zum Glück konnten wir dann in einem Hotel nebenan einchecken.

Nun aber zum Wesentlichen: In einer Agentur nahe unseres Hotels buchten wir eine zweitägige Tour in die Salzwüste. Für 550 Bolivianos (70€) pro Person bekamen wir einen Geländewagen, einen spanischsprachigen Fahrer/Guide sowie 4 Mahlzeiten. Unsere Gruppe war auf 6 Personen begrenzt, daher gesellten sich noch drei Spanier und ein Mexikaner dazu und wir waren komplett. Mit dem Auto ging es zuerst zum Zugfriedhof etwas außerhalb der Stadt und schon von Weitem waren die Massen an Geländewagen erkennbar, denn dieser Ort ist der Ausgangspunkt für jede Salar-Tour. Am Anfang des Friedhofs befinden sich auch die interessantesten Züge aus dem 19. Jahrhundert, die in der Wüste langsam vor sich hinrosten, doch war es aufgrund der vielen herumkletterenden Leute unmöglich, brauchbare Fotos zu machen, weshalb wir uns schnell entschlossen, an das andere Ende zu gehen, wo wir uns weniger Touristen erwarteten und tatsächlich: Da, wo die eher neueren Züge und Wagons aus den 60er bis 80er Jahren des letzten Jahrhunderts liegen, war kaum jemand und wir konnten ein paar nette Fotos machen.

Alte Lok im „Cementerio de trenes“

Neuerer Wagon

Zurück bei unserem Geländewagen ging es dann an den Rand der Salzwüste, wo ein paar Verkausstände Produkte aus Salz anboten. Außerdem war es auch der Ort, an dem wir zu Mittag aßen. Als alle fertig waren ging es dann endlich Richtung Salzwüste, und der sandige Untergrund begann sich langsam mit dem Salz der Wüste zu vermischen. Mitten auf der Strecke schrie einer der Spanier plötzlich auf: Er hatte seine Kamera in dem kleinen Restaurant vergessen. Schnell drehten wir um, doch selbst nach gründlichem Suchen und Befragung der Kellner bliebt die Kamera verschwunden – Leider auch ein Problem in Südamerika, denn vergessene Sachen werden selten wiedergefunden.

Mit etwas gedrückter Stimmung ging es dann hinaus in die unendlichen Weiten der Salzwüste, und nach einigen Minuten Fahrzeit war alles Land, das vor uns lag in weiß getaucht. Obwohl wir mit 80 km/h durch die Salzebene führen, schienen wir uns nicht von der Stelle zu bewegen. Der Horizont war ein Strich, der weiß und blau trennte, und schien nicht näher zu kommen. Wir hielten einmal an, um sich anzusehen, wie die Menschen hier Salz gewinnen: Anstatt großen Maschinen wird hier vieles noch händisch betrieben. Das Salz wird zusammengekehrt und auf kleinen Haufen gesammelt, wo es dann in Säcken auf Pick-ups verladen wird. Später hielten wir erneut an um in der weiten Ebene einige Fotos mit verschiedenen Perspektiven zu machen. Am Ende gab es noch einen Stopp in der Mitte der Wüste, wo sich das Regenwasser das ganze Jahr über hält, und man mit etwas Glück ein paar nette Fotos mit der Reflektion des Wassers machen kann.

Reflektionen im Wasser

Am Ende des Tages hatten wir die Salzwüste beinahe zur Gänze durchquert und erreichten ein kleines Städtchen am Fuße eines Vulkans, wo wir die Nacht verbringen sollten. Das lange Warten auf das Essen vertrieben wir uns mit Konversation, obwohl ich zugeben muss, dass es verdammt schwer ist, der einzige nicht-Muttersprachler in einer Runde voller spanisch-sprechender Leute zu sein. Auch wenn man mir öfters versichert wurde, dass mein Spanisch wirklich gut sei für jemanden, der es erst seit 2 Jahren lernt, habe ich manchmal einfach nur aus Höflichkeit mitgelacht, obwohl ich nicht alles verstanden habe – Egal.

Wo die Salzwüste ihr Ende hat

Die kommende Nacht war erneut kalt. Mit langer Unterhose, Hose, 2 T-Shirts, 2 Pullover und Fließjacke, 4 Decken und einer Freundin, die die Abwärme eines kleinen Atomreaktors produziert, habe ich aber auch das überstanden. Heizung gab es keine. Nur eine Betonwand trennte und von den eisigen Temperaturen draußen. Daher waren wir heilfroh, dass die Sonne endlich aufging und wir ein warmes Frühstück serviert bekamen. Lange Zeit zum Ausruhen hatten wir dennoch nicht, denn unser Fahrer wollte uns ein Mumiengrab am Hang des Vulkans zeigen. Nach einem steilen Aufstieg erreichten wir dann endlich einen kleinen Spalt im Berg, durch den wir uns durchzwängten und tatsächlich: Da saß eine ganze Familie dicht aneinandergedrängt, von der trockenen Lust gut konserviert, obwohl die vermutlich vor mehr als 800 Jahren verstarben.

Meine Hoffnung auf einen baldigen Abstieg zurück ins Dort und Mittagessen wurden jedoch rasch von unserem Guide zerschlagen, der meinte, wir sollen dem steilen Pfad etwa 4km folgen, bis wir einen Aussichtspunkt erreichen. Er würde zurückfahren, und inzwischen das Mittagessen vorbereiten. Naja gut, dachte ich mir, wie schlimm kann es schon werden. Oh wie sehr ich mich geirrt habe. Die Salar de Uyuni selbst liegt auf 3.650 Meter über dem Meer. Der Aussichtspunkt irgendwo bei 4.300 Meter und wie sehr habe ich jeden Meter davon verflucht. Die Spanier und der Mexikaner waren schon bald auf und davon während ich hinterherhing. Oft habe ich mit dem Gedanken gespielt einfach umzudrehen. „Was interessiert mich so ein verdammter Berg? Haben wir ja daheim genug davon.“ Doch irgendetwas in mir wollte dann doch nicht aufgeben, also ging es immer Schritt für Schritt weiter. Nach mehr als einer Ewigkeit dann endlich: Der Aussichtspunkt. Ok, so toll war er wirklich nicht, aber es ging mir sowieso eher um das nicht sterben bei dieser Aktion als um die Aussicht. Unsere Reisegefährten haben sich anscheinend entschlossen, dem Pfad noch weiter zu folgen, doch für mich war hier Schluss. Zurück am Ausgangspunkt wartete auch schon unser Fahrer und wir waren die ersten, denn die Spanier brauchten noch weitere 20min bis auch sie endlich zurück waren. Und dann endlich: Mittagessen.

Die ganze Anstrengung für das

 

Am Nachmittag ging es noch zu einer der Kakteen-Inseln inmitten der Salzwüste, die von den anderen als eher uninteressant angesehen wurde, ich aber ganz spannend fand, vor allem auch deshalb, weil die gesamte Insel und all ihre Wege aus fossilen Korallen bestanden, denn in der Urzeit war dies hier ein riesiges Meer mit gewaltigen Korallenriffen.

Salz und Kakteen auf der „Isla del pescado“

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir dann auch wieder unser Hotel, und wir freuten uns auf eine warme Dusche, die wir uns auch mehr als verdient hatten.

 

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