Titicacasee – Ansicht von zwei Seiten

Der Titicacasee ist vielen vermutlich aufgrund seines, sagen wir interessanten Namens her, ein Begriff. Doch er ist mehr als nur ein Wortwitz. Der Titicacasee liegt auf 3.810m über dem Meeresspiegel und ist damit das am höchsten gelegene, schiffbare Gewässer der Welt. Er ist deutlich größer als die Bundesländer Wien, Vorarlberg und das Burgenland zusammen und bildet die natürliche Grenze zwischen den beiden Andenstaaten Peru und Bolivien. Daher ist für uns auch der perfekte Punkt, um unsere Reise nach Bolivien fortzusetzen, doch alles der Reihe nach.

 

Puno, Peru

Von Cuzco aus geht es mit dem wohl bequemsten Bus unserer ganzen Reise Richtung Puno, das auf peruanischer Seite direkt am See liegt. Puno selbst ist eine vergleichsweise kleine Stadt, die an sich nicht viel zu bieten hat, außer einen kleinen Hauptplatz und eine recht kurze Fußgängerzone, in der sich ein paar Restaurants und Cafés befinden. Die wahre Sehenswürdigkeit der Stadt liegt streng gesehen gar nicht in der Stadt, sondern draußen am Titicacasee. Es handelt sich dabei um die schwimmenden Inseln von Uros. Diese wurden von einem indigenen Volk aus Schilf mitten im Titicacasee errichtet, und sind noch heute bewohnt. Zwar wurden viele Traditionen bereits aufgegeben (so werden die Toten mittlerweile auf normalen Friedhöfen an Land bestattet), aber dennoch entscheiden wir uns für einen Tagesausflug zu diesem ungewöhnlichen Volk.

Man kann entweder eine Tour in der oben genannten Fußgängerzone buchen, oder man kauft sein Boot-Ticket direkt im Hafen. Von Puno aus tuckert man etwa 45 Minuten lang raus auf den See, ehe man am Horizont die ersten Schilfbauten erkennen kann. Mit unglaublicher Langsamkeit nähert man sich einer der Siedlungen. Jede dieser Siedlungen besteht auf etwa ein Dutzend Hütten. Jeden Tag wählen die Einwohner eine andere Siedlung aus, die von den Touristenbooten angefahren wird, damit das Einkommen aus dem Verkauf von Souvenirs und Getränken fair verteilt wird, und man auch mal seine Ruhe von den fotografierenden Touristen hat. Kurz nach dem Landen auf den schwimmenden Inseln stellt sich heraus, dass unsere Bootsfahrt eigentlich eine kleine Tour in sich ist, denn uns wird eine halbe Stunde gegeben, um das kleine künstliche Eiland zu erkunden.

Uros-Inseln mit traditionellem Boot im Hintergrund

Die Bewohner haben Stellung hinter ihren kleinen Verkaufsständen bezogen, und werben um die Gunst der kaufwilligen Besucher. Unser Kapitän erklärt uns, dass die Inseln etwa drei Meter dick sind, wobei sich etwa zwei Meter ständig unter Wasser befinden. Jede Woche wird eine neue Schicht Schilf aufgetragen, da die tieferliegenden Schichten in der Zwischenzeit verrotten. Alle zehn Jahre wird eine Insel dann aufgegeben und eine neue wird gebaut. Das Material beziehen die Einwohner vom See selbst, der vor allem in Ufernähe genügend Baumaterial zur Verfügung stellt. Außerdem sind die Inseln am Grund des Sees verankert, da sie sonst wie Papierboote hin- und herschwimmen würden, was dazu führen könnte, dass man eines Abends in Peru schlafen geht, und in der Früh von der bolivianischen Küstenwache wegen illegalem Grenzübertritt verhaftet wird.

Neues Schilf für die Inseln

 

Nach unserem kurzen Aufenthalt auf der kleinen Insel steigen wir in eines der traditionellen aus Schilf gebauten Boote, um zu der Hauptinsel zu fahren. Die Frauen, die uns zuvor noch kleine Erinnerungsstücke verkauft hatten, stehen nun am Steg und singen für uns „Vamos a la playa“. Der Sinn verschließt sich uns, doch finden wir, dass es eine nette Geste ist.

Ganz so traditionell ist unser geflochtenes Boot dann aber doch nicht. Mit einem Motorantrieb überwinden wir den Kanal zwischen den einzelnen Inseln in einige Minuten und laden auf der Hauptinsel. Diese unterscheidet sich nicht nur in ihrer Größe von den anderen, sondern auch von den Gebäuden, die sich darauf befinden. Waren es zuvor noch Strohhütten, in denen die Menschen lebten, sind es jetzt Hütten mit Wänden aus Blech, die auf kleinen Schilfpotesten stehen. Außerdem gibt es Photovoltaik-Anlagen, die die Menschen mit Strom versorgen. Uns wird eine Stunde Zeit gegeben, ehe es zurück nach Puno geht, und um ehrlich zu sein, hätte die Hälfte auch gereicht, denn es stellt sich heraus, dass es hier nur eines gibt: Teures Essen. Wir verzichten und warten am Ufer auf unsere Rückfahrt. Alles in allem war es dennoch ein gelungener Ausflug auf den See, der uns eine interessante Form des Lebens nähergebracht hat.

 

Copacabana, Bolivien

Mit einem Bus voller Touristen geht es am nächsten Tag über die Grenze nach Bolivien. Kurz vor dem Grenzübergang rät uns unser Fahrer, Geld zu wechseln, denn bei der Einfahrt in Copacabana müsse jeder 2 Bolivianos (also etwa 25 Euro-Cent) bezahlen. Etwas kommt mir merkwürdig vor, doch ich wechsle dennoch umgerechnet 10€, um notfalls ein Taxi zu unserem Hotel bezahlen zu können. Kurz nach der Einfahrt in Copacabana steigt tatsächlich ein älterer Herr in den Bus, der im Austausch für einen kleinen bunten Zettel mit der Aufschrift „Boleto“ 2 Bolivianos verlangt. Wir sitzen in der letzten Reihe und sehen, wie jeder unserer Mitreisenden ohne nachzufragen bezahlt. Klar sind doch nur 25 Cent, doch wir fragen auf Spanisch nach, was es mit dem Zettel auf sich hat. Der Mann schaut uns verwundert an und erklärt uns rasch, dass das ein Ticket für all die Sehenswürdigkeiten in Copacabana sei – ja klar. Wir weigern uns zu zahlen, was überraschenderweise dazu führt, dass sich der Mann einfach umdreht und geht. Zuvor hatte er aber jedem von uns einen der bunten Zettel in die Hand gedrückt, welche er nun nicht mehr zurückhaben wollte. Klar, die 25 Cent hätten uns nicht weh getan, doch bedenkt man, dass er binnen weniger Minuten dadurch vermutlich knapp 10-15€ verdient hat, was deutlich über dem Durchschnittseinkommen Boliviens liegt, ärgert mich dieser Betrug dennoch. Und wisst ihr was? Wir haben den Zettel während unserer ganzen Zeit in Copacabana nicht ein einziges Mal gebraucht.

Doch zu erfreulicheren Dingen: Auf Anraten des Vaters meiner Freundin haben wir uns 3 Nächte im Hostel „La Cúpula“ gebucht. Der Preis von 20$/Nacht schien uns für ein Doppelzimmer angemessen, und wir haben es nicht bereut, den es war vermutlich die beste Unterkunft, die wir während unserer ganzen Reise hatten. Die Anlage (ja, es war wirklich sehr groß) wurde vor einigen Jahren von einem Deutschen errichtet, der sich damit seinen Traum erfüllt hat, sich in Bolivien selbstständig zu machen. Die Zimmer sind sauber und vor allem beheizt, was auf knapp 4000m Seehöhe von großer Bedeutung ist. Frühstück ist zwar nicht inkludiert, doch es gibt ein Restaurant das große Portionen serviert. Vor dem Hostel sind terrassenartige Gärten angelegt, die Sitzbänke und Hängematten bieten. Doch das  große Highlight war etwas ganz anderes: In den Gärten lebt eine Alpaca-Familie, die man füttern und streicheln kann. Ganz ganz großes Plus.

In Copacabana habe ich dann auch einen weiteren Punkt von meiner To-Do Liste Streichen können: Trotz der relativ kalten Temperaturen habe ich mich in den Titicacasee gewagt, auch wenn mein Abenteuer keine zwei Minuten gedauert hat. Rein, ein Foto machen und raus lautete die Devise, denn das Wasser war eiskalt. Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich der einzige war, der sich ein Bad in dem tiefblauen Wasser gegönnt hat – sowas machen eben auch nur dumme Ausländer hat sich sicher der ein oder andere Bolivianer der vorbeigegangen ist, gedacht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s