Nazca – Mit den Augen der Götter

Obwohl die Nazca-Linien in der peruanischen Wüste bestimmt zu den größten verbliebenen Geheimnissen unserer Welt gehören, standen sie nicht von Anfang an auf meiner Liste der Orte, die ich unbedingt in Peru sehen wollte. Das lag einerseits an den doch relativ hohen Preisen (etwa 90€ p.P. für einen 30-minütigen Rundflug), aber auch an den Zwischenfällen, die sich in den Jahren zuvor ereignet hatten. Die Tatsache, dass allein 2010 13 Menschen starben, brachte die Regierung jedoch dazu, einzulenken und schärfere Sicherheitsmaßnahmen festzulegen. So wurden die Preise erhöht, um eine ordnungsgemäße Wartung der Flugzeuge zu ermöglichen. Außerdem müssen nun auch immer zwei Piloten das Flugzeug fliegen und auch die Kriterien, wann die Wetterlage zu schlecht ist, wurden verschärft. Seit diesem Zeitpunkt gab es keine Opfer mehr zu beklagen. Aber vor allem meine Freundin hat mich dann am Ende davon überzeugt, den Flug zu machen, denn immerhin gehören die Nazca-Linien zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Perus, und sie zu sehen ist vielleicht eine einmalige Chance.

Von Lima aus sind es 6-7h mit dem Bus Richtung Süden, ehe man in der kleinen und staubigen Stadt Nazca ankommt. Schon beim Aussteigen bemerkt man, dass diese Stadt voll und ganz auf den Tourismus ausgelegt ist. Entlang der Hauptstraße reihen sich Cafés, Restaurants und Souvenir-Shops aneinander und überall trifft man auf Abbildungen der berühmten Nazca-Linien. Wir haben schon im Vorfeld ein Zimmer via Airbnb reserviert und wurden vom Besitzer der Unterkunft auch trotz unserer einstündigen Verspätung unsererseits abgeholt. Zu meiner Überraschung sprach er ganz gut Deutsch. Ebenfalls im Vorfeld hatte er uns angeboten, den Rundflug für uns zu organisieren, was wir natürlich annahmen, da ich sowieso nicht von Agentur zu Agentur gehen wollte, um den besten Flug zu finden. Für 90 US$ plus 30 Nuevo Soles Flughafengebühr (also insgesamt knapp 90€) erhieleten wir einen Zettel, den wir nur mehr am Flughafen von Nazca vorlegen mussten, um unseren Flug anzutreten. Uns wurde noch gesagt, dass wir am nächsten Tag um 8:00 Uhr fertig sein sollten, denn dann würde man uns abholen. So weit so gut.

Die Nacht war kalt. Sehr kalt und zu unserem Nachteil gab es auch nur eine dünne Decke, was wir jedoch zu spät bemerkten. Als wir aufwachten war es immer noch kalt und bewölkt. Nach einem kleinen Frühstück dann die Ernüchterung: Der Flug könne nicht wie geplant um 8:00 stattfinden. Neue Uhrzeit: 10:30, was für uns hieß: weiterschlafen.

Um Punkt 10:30 Uhr wurden wir dann tatsächlich abgeholt. Das Wetter hatte sich stark gebessert und es ging, mit einem kurzen Zwischenstopp um noch zwei Franzosen abzuholen, Richtung Flughafen. Dort wurden wir gewogen (denn in den Kleinflugzeugen muss das Gewicht optimal verteilt werden), und danach heiß es erneut: warten. Viele Touristen drängten sich in dem kleinen Wartesaal des Flughafens, denn viel zu tun gab es nicht, außer sich eine Dokumentation über die Inka und ihre Linien auf einem flimmernden Fernseher anzusehen. Knapp zwei Stunden später wurden wir dann endlich aufgerufen. Zusammen mit zwei Piloten, zwei Franzosen und zwei Peruanern ging es dann in die winzige Maschine. Der Platz war beschränkt, doch es war ja lediglich für 30 Minuten. Der Pilot erklärte zweisprachig, wie der Flug ablaufen würde: Wir würden 12 Abbildungen überfliegen, die in einem kleinen Heftchen abgebildet waren, welche er uns zuvor gegeben hatte. Wir würden die Linien immer einmal von links und einmal von rechts überfliegen, so dass jeder sie von seiner Seite aus sehen konnte. Weiters wies er uns darauf hin, dass sich in jedem Sitz ein Plastiksackerl befände, welches für den Fall der Fälle gedacht war, denn das hin und her könne unseren Mägen doch zusetzen. Dann ging es auch schon los.

Unser kleines Flugzeug

Ich bin bereits oft geflogen, doch in einem so kleinen Flugzeug noch nie. Es war laut und man spürte jede kleine Bewegung der Flugzeuges. Während die Turbulenzen schon sehr groß sein müssen, damit man sie in einem Airbus oder einer Boeing spürt, reicht hier schon ein leichter Wind. Doch die Aussicht war großartig.

Ausblick aus dem Flugzeug

Schon nach wenigen Minuten Flugzeit hörten wir wieder die Stimme unseres Politen über die Kopfhörer, die wir aufgesetzt hatten, und er wies uns an nach rechts zu sehen, denn dort würde man die erste Konstruktion sehen: den „Astronauten“. Und tatsächlich: Am Hang eines kleinen Berges war die Gestalt eines winkenden Mannes zu erkennen, dessen helle Umrisse sich deutlich vom dunklen Untergrund abhoben. Fotografieren erwies sich als äußerst schwierig, denn zuerst musste man die Abbildung mit freiem Auge finden, danach nochmal mit dem Sucher der Kamera, man musste die Kamera festhalten, die Bewegungen den Flugzeugs ausgleichen, abdrücken und hoffen dass man nicht verwackelt. Nur wenige meiner Versuche sind daher geglückt.

 

 

Der Astronaut

Im Laufe des Fluges sahen wir noch weitere Abbildungen wie den Kolibri, die Spinne, den Hund oder den Baum. Kaum zu glauben, dass Menschen solche Abbildungen vor über tausend Jahren mit einfachten Mitteln hier in den Boden gegraben haben und dann auch noch mit einer solchen Präzision. Bis heute ist nicht genau geklärt, warum sie das getan haben. Einige meinen, es habe mit der Bitte an die Götter um Regen zu tun, andere meinen, dass die Linien auf Sternbilder ausgerichtet sind. Was es auch immer sein mag, man kann sicher sagen, dass es sich hierbei um eines der mysteriösesten von Menschenhand geschaffenen Werke der Geschichte handelt.

Die Blume

 

Der Baum und die Hände direkt neben der Panamericana

Nach 30 Minuten landeten wir wieder sicher am Flughafen, und ich muss sagen, dass ich nicht unbedingt länger hätte fliegen wollen, denn für Laien ist es schon ein ziemlicher Ritt. Erst eine Stunde und ein Mittagessen später hatte sich mein Magen wieder beruhigt. War es also das Geld wert? Ja, absolut. Würde ich es noch einmal machen? Nein, vermutlich nicht. Zumindest nicht ohne Vorbereitung für meinen Magen.

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