Sukhumi (Abchasien) – Sommerurlaub zwischen Ruinen

Irgendwie fühlt es sich merkwürdig an hier zu sein. Nichts deutet darauf hin, dass das hier nicht Georgien ist, und dennoch fühle ich mich fremd. Doch lange verweilen möchte ich an der Grenze dann auch wieder nicht, und entschließe mich mit einem der Minibusse in die nächste Stadt zu fahren.

Was mir während der Fahrt auffällt ist, dass es hier viel grüner ist, als auf der anderen Seite. Auf dem Weg nach Gal kommen wir an kleinen Gräbern vorbei, die sich links und rechts der Straße befinden. Opfer des blutigen Bürgerkriegs, für jedermann sichtbar. Es sind die tragischen Helden eines Krieges unter Brüdern.

In Gal angekommen werde ich von 3 älteren Frauen zu einem anderen Minibus geschickt, denn mein Ziel ist ja immerhin Sukhumi. Der Bus ist bereits bis auf einen Platz voll. Glück gehabt. Kurz vor Abfahrt kommt dann eine Frau um die 60 Jahre, und will ebenfalls mitfahren. Eine Diskussion entbrennt und ich verstehe natürlich 0. Erst als der Busfahrer dann deutet, dass ich aussteigen und ihr meinen Platz überlassen soll, dämmert mir. Niemand spricht Englisch, dennoch erkläre ich ihm, dass ich keinesfalls warten werde, bis der nächste Bus fährt (was vermutlich in 2 Stunden gewesen wäre). Er zuckt nur mit den Schultern. Es scheint ihn nicht sehr zu interessieren. Der Ton wird rauer. Zu meiner Überraschung stellen sich einige Fahrgäste auf meine Seite. Am Ende überlässt mir ein Mann seinen Platz und setzt sich auf den Boden. Die Lage beruhigt sich. Wir fahren los. Während der 2 stündigen Fahrt bin ich natürlich die große Attraktion. Man versucht mir Fragen zu stellen, doch es scheitert bereits am grundlegenden Verständnis. Schade.

In Sukhumi angekommen mache ich mich auf das Hotel zu finden, welches ich Tags zuvor reserviert hatte. An der vermeindlichen Adresse angekommen merke ich, dass das hier sicher kein Hotel ist. Ich gehe etwas die Straße entlang und treffe auf Frauen beim Bäcker. Eine von ihnen spricht minimal Englisch und beginnt zu telefonieren. Dann wird mir das Handy ans Ohr gehalten und eine Frau am anderen Ende spricht zu mir in Englisch. Wir finden heraus, dass es ein Hotel mit diesem Namen nicht gibt, aber ich solle mir keine Sorgen machen, denn sie schicke mir jemanden vorbei, der mir helfen könne. Auch gut.

Nach kurzer Zeit steht ein Mann vor mir, der einige Worte Englisch spricht. Er sagt, dass er eine Ferienanlage etwas außerhslb besitze, und ich gerne dort schlafen könne. Keine zwei Minuten später sitzen wir in seinem Auto und fahren los.

Dort angekommen wird mir klar, dass es sich um eine typische Ferienanlge handelt mit Kinderbetreuung, Nachmittagsaktivitäten und Abenddisco. Gäste: 100% Russen, denen das nahegelegene Sotchi vermutlich zu teuer ist. Man serviert mir Kaffee und stellt viele Fragen, denn es kommt nicht oft vor, dass sich ein Europäer hierher verirrt. Ich antworte geduldig, doch nach einiger Zeit dränge ich darauf, dass man mir ein Taxi ruft, denn ich muss noch mein Visum abholen und möchte noch etwas von der Stadt sehen. Auch das wird mir organisiert.

Die Visaangelegenheiten sind in 5 Minuten erledigt, und ich kann den restlichen Tag in der Stadt verbringen. Am Platz des Friedens steht ein altes Regierungsgebäude, dass im Krieg komplett zerstört wurde. Heute ist es verfallen und geplündert. Auch sonst finden sich viele Relikte aus dem Bürgerkrieg. Wohnhäuser sind verfallen und auch sonst wirkt alles so, wie man es sich in der Sowjetunion erwarten würde.

Sowjetische Plattenbauten

Sowjetische Plattenbauten

Ich gehe Richtung Strand und plötzlich ändert sich die Stadt. Russische Badetouristen schlenderten durch die Straßen und den Markt. Die Häuser sind renoviert und es ist sauber. Man kann gar nicht glauben, dass man immer noch in der selben Stadt ist. Der Strand ist voll mit kleinen Kieselsteinen und das Wasser sauber und blau. Ja, auch das ist Abchasien.

Es gibt nicht viel zu sehen, doch allein das Gefühl an einem solchen Ort zu sein war die Reise wert. Bevor es dunkel wird nehme ich ein Taxi zurück in die Hotelanlage. Der Fahrer hat das Radio voll aufgedreht und es tönt „Cerri Cherri Lady“ von Modern Talking, während wir mit 80 km/h durch die Satdt brausen.

Zurück in der Anlage gibt es dann Tee und ich lerne einen alten Russen kennen, der in den Sommermonaten Tauchkurse gibt. Zu meiner großen Überraschugn spricht er passabel Deutsch. Als er dann sein Glas Kirschsaft mit den Worten „Zur Mitte, zur Titte, zum Sack. Zack Zack!“ erhebt, ist er mir endgültig sympathisch. Das schöne am Reisen ist eben, dass man nie wissen kann, was einem erwartet. Wir tauschen Adressen aus und er verspricht mir zu schreiben, sobald er wieder in Russland ist.

Am nächsten Morgen lädt er mich auch noch zu einem minder berauschenden Frühstück ein, und ruft mir am Ende noch ein Taxi zum Busbahnhof. Damit endet auch mein aufregender Tag in Abchasien, einem Land, das nirgends so richtig dazugehört.

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