Abchasien – Ein Ort, den es eigentlich nicht gibt

Zuerst: Ich bin derzeit im Kaukasus unterwegs und eigentlich hätte ich auch etwas über Tiflis und meine erste Woche hier schreiben sollen, nur hätte es nichts wirklich Lesenswertes gegeben, daher erspare ich es euch.
Doch nun – endlich – gibt es etwas worüber es sich zu schreiben lohnt: Abchasien!

Aber zuerst eine kurze Einführung: Nach dem Zerfall der Sowjetunion brach schon bald Chaos im Kaukasus aus und jedes Land wollte für seine Leute ein Stück abhaben. So auch Abchasien, welches Georgien zugeschlagen wurde. Dieses wollte Abchasien aber nicht in die Unabhängigkeit entlassen. Die Folge war ein blutiger Bürgerkrieg der damit endete, dass Georgien die Kontrolle über das kleine Land im Nordwesten verlor, und Russland es zu einem seiner Satellitenstaat machte. Noch heute wird es, bis von wenige Nationen einmal abgesehen, als Teil Georgiens angesehen, aber von Russland unterstützt. Klingt doch nach einem vielversprechenden Reiseziel, dachte ich mir.

Um hineinzukommen muss man aber zuvor beim abchasischen Außenministerium um eine Erlaubnis ansuchen, die in der Regel binnen 5 Tagen per Email ausgestellt wird. Hat man diese fährt man damit zur georgisch-abchasischen Grenze und das Prozedere beginnt.

Ich bin extra früh mit dem Taxi zur Grenze gefahren, um möglichst viel Zeit in Sukhumi -der Hauptstadt- verbringen zu können. Offiziell reist man ja gar nicht aus Georgien aus, da die Abchasien immer noch als Teil des Stadtgebietes ansehen, dennoch muss man erst einmal bei einer kleinen Hütte stehen bleiben und die Einladung und seinen Pass vorweisen. Der Grenzbeamte ist freundlich spricht jedoch kein Englisch. Das Einladungsschreiben ist zum Glück auf Russisch. Mein Pass wird gescannt. Das dauert. Mein Einladungsschreiben wird gescannt. Das dauert auch. Dann hängt plötzlich der Scanner. Der Grenzbeamte schaltet den Computer aus und wieder ein. Er fährt hoch. Das dauert. Dann ist natürlich der Scan von meinem Pass weg. Also nochmal von vorne.
Irgendwann dann darf ich endlich über die Brücke gehen, die diese beiden Orte seit fast 25 Jahren trennt. Auf der anderen Seite dann eine Menschenschlange aber kein Grenzbeamter. Wir warten also. Es ist schon jetzt unerträglich heiß. Nach einer Zeit fange ich an zu verstehen: Abchasien verwendet keine Sommerzeit und ist daher eine Stunds hinter Georgien. Die Grenze hat noch nicht geöffnet.
Nach 40 Minuten Wartezeit taucht endlich ein dicker Soldat in grüner Uniform auf undnplötzlich kommt Leben in die Menschenschlange. Jeder möchte der erste sein, doch der Grenzbeamte lässt sich nichf beirren. Langsam beginnt er die Pässe zu kontrollieren. Irgendwann bin auch ich an der Reihe. Er mustert meine Einladung und meinen Pass. Dann meint er, ich solle mich hinten anstellen. Na gut.

Als endlich alle anderen abgearbeitet sind, nimmt er meine Dokumente mit in ein kleines Häuschen. Er macht einen Anruf. Danach fotografiert er meinen Pass und die Einladung und meint, jetzt müsssn wir warten. Nach etwa 10 Minuten dann der Rückruf; ich darf passieren.

Links und rechts von mir erhebt sich Stracheldrahtzaun. Nur ein schmaler Durchgang ist frei. Da muss ich lang. Am Ende angekommen dann die nächste Überraschung: Wieder eine Schlange. Wieder warten.
Nach etwa einer halben Stunde bin ich an der Reihe. Wieder heißt es Einladung und Pass vorzeigen. Wieder wird gescannt. Der Soldat weiß aber anscheinend nichts mit meinem Pass anzufangen, weshalb ein Kollege zu Hilfe gerufen wird, der Englisch spricht. Ein paar Routinefragen werden gestellt, dann verabschiedet er sich. Meinen Pass bekomme ich zurück, das Einladungsschreiben nicht.

Ich bin in Abchasien, einem Land, das es eigentlich nicht gibt.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s