Hopkins – Ein paar Tage Urlaub

Urlaub. Was bedeutet das eigentlich? Naja, am häufigsten assoziiert man das wohl mit folgenden Worten: Strand, Sonne, Meer, Entspannund.
Da bin ich also: In Placencia, Belize. Nach 7 Wochen reisen suche ich nach etwas Urlaub. Ich sehe mich um. Vom Balkon meines Hotels aus, welches für meine Verhältnisse unverschämt teuer ist („But that is Belize“ hatte die Besitzerin auf meine Beschwerde trocken reagiert), sehe ich einen Strand. Das ist schonmal gut. Ein bisschen kann man das Rauschen der Wellen hören, was auf ein Meer schließen lässt. Damit wäre die Hälfte der Voraussetzungen schon erfüllt. Dass es eine Sonne gibt, habe ich in den vergangenen Stunden beinahe durchgehend bemerkt. Es ist extrem heiß. Die Luft steht. Fast geschafft. Nur noch die Entspannung. Die will sich aber nicht so recht finden lassen.

Belize ist nett, mehr aber auch nicht

Belize ist nett, mehr aber auch nicht

Ich habe die letzten 7 Wochen damit verbracht, immer an den nächsten Tag zu denken. Wohin soll es gehen? Wie komme ich dort hin? Wann fährt der Bus? Hostel vorher reservieren? Oder doch lieber spontan bleiben? Ach ja, und natürlich: Was wird es kosten? Ich würde nicht behauptet, dass ich mich allzu sehr gestresst fühle. Diese und ähnliche Fragen drängen sich wie selbstverständlich rund um die Uhr in meinem Kopf. Sie gehören zu meinen Reisen dazu. Man könnte fast sagen, dass das meine Art ist zu reisen. Mich stresst es viel mehr, nicht zu wissen, wie es weiter geht.

Aber jetzt ist alles anders. Ich versuche diesen Zustand irgendwie herbeizuführen. Ja, schon fast ein bisschen zu erzwingen. Aber so recht will das nicht hinhauen hier in Placencia. Zu teuer erscheint mir die Unterkunft. 55 Belize-Dollar. Fast 25€ für eine Nacht. Blöd, wenn man weiß, dass es wo anders billiger geht. Blöd aber auch, dass trotz aller Planung der letzte Bus von Placencia dennoch schon um 14:30 Uhr fährt. Zu diesem Zeitpunkt hing ich aber noch in der Immigration von Belize fest. Seis drum. Dann gehe ich eben schwimmen. Soweit zumindest der Plan. Strand und Meer gibt es, wie bereits festgestellt. Nur der Zugang zum Wasser erweist sich als schwer. Rund 2 Meter vom Meer entfernt beginnen sich Berge von Seegras und Müll aufzutürmen (gut die „Berge“ sind etwas übertrieben). Ich verwerfe meine Schwimmabsichten. Toller Urlaub. Wobei: Urlaub ist es ja keiner. Mangels Entspannung und so. Argh! 55 Belize-Dollar. Seegras! Es reicht mir. Ich gehe schlafen.

Schwimmen? Hier? Unmöglich!

Schwimmen? Hier? Unmöglich!

Am nächsten Tag überließ ich es dann nicht dem Zufall, und nahm den ersten Bus nach Hopkins. 06:15 zeigt die Uhr. Kaum im Bus, schlafe ich ein. Hopkins ist nicht wirklich weit entfernt, also dauert mein Schlaf nur einen gefühlten Augenblick. Schon bei der Ankunft in Hopkins merke ich, dass dieser Ort dem entspricht, nachdem ich gesucht habe. Der Urlaub hat begonnen.

Zu sehen gibt es hier nicht wirklich viel

Zu sehen gibt es hier nicht wirklich viel

Kaum 1000 Einwohner hat der Ort. 2 Hostels im „Zentrum“, viele Häuser auf Stelzen und meiner Meinung nach verhältnismäßig viele Supermärkte. Da ich vor hatte, all mein Essen in Belize selber zu kochen (1. gab es kaum Street-Food und 2. war es verdammt teuer, wenn es denn welches gab), statte ich dem ersten Supermarkt einen Besuch ab. Was mir auffällt: Chinesen. Prinzipiell nichts allzu Außergewöhnliches, aber hier an der Küste von Belize leben eigentlich fast ausschließlich Afroamerikaner (bis auf ein paar reiche Amerikaner, denen Florida nicht exotisch genug ist). Da die Eier erst gegen 11 geliefert werden, gehe ich in den nächsten Supermarkt. Wieder: Chinesen. Dieses Mal noch klassischer: Hinter der Kassa sitzt ein älterer Chinese, der gerade genüsslich an seiner Zigarette zieht, während er auf einen winzigen Bildschirm eines uralt Fernsehers starrt. Das Bild flackert. Hysterisch schreien zwei Frauen auf Spanisch aus den rauschenddn Boxen. Eine Seifenoper. Alles mitzuverfolgen in chinesischen Untertiteln. Ich will bezahlen. Ich verstehe den Mann hinter der Kassa nicht. Was auch immer er da spricht, es ist kein Englisch (übrigends Amtssprache in Belize). Chinesisch klingt es auch nicht wirklich. Egal. Ich frage nach. Er wirkt desinteressiert, denn bevor er antwortet, muss er sich erst eine neue Zigarette anzünden. Ich gebe ihm einfach einen 50-Dollar Schein. Er ist genert. Verständlich, denn die Eier kosten gerade einmal 1.75 und wie überall in Ländern wie diesem wird Wechselgeld gehortet wie ein Schatz. So ähnliche Szene sollten sich in den nächsten Tagen wiederholen, auch wenn der Chinese sich nach und nach bemühte, an seiner Aussprache zu arbeiten. Da sieht man, wie wertvoll Wechselgeld tatsächlich ist.

Hopkins

Hopkins

Ansonst weiß ich nicht viel über Hopkins zu erzählen. Ich koche 3x täglich, schlafe mindestens genauso oft und dusche noch mehr. Es ist nach wie vor drückend heiß. Ach ja, und ich habe es doch tatsächlich geschafft „To kill a mockingbird“ fertig zu lesen. Ich tausche es gegen eine zerfledderte Ausgabe von „The girl with the dragon tatoo“ ein. Ich muss grinsen. Immerhin ist es jenes Buch, von dem dieser alte Amerikaner aus Oaxaca so besessen war. Ihr wisst schon, der mit den Verschwörungstheorien. Ja genau der! Immerhin ein gutes Buch.

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