Guatemala – Ein Fazit

Bevor ich überhaupt noch Wien verlassen hatte, war Guatemala bereits mein Highlight dieser Reise. Wieso? So genau kann ich das nicht sagen. Wenn ich an Guatemala gedacht habe, war es für mich dieses kleine Land irgendwo in Zentralamerika mit seinen im Dschungel versunkenen Ruinen, den Vulkanen und der indigenen Bevölkerung. Ein ort, an dem die Zeit etwas langsamer zu vergehen scheint. Ein Ort, der von den Massen noch unentdeckt geblieben ist.

Jetzt, 2.5 Wochen nach der irgendwie abenteurrliche anmutenden Fahrt über den Grenzfluss zwischen Mexiko und Guatemala muss ich meine Erwartungen mit dem Erlebten vergleichen. Bereits vorab kann ich sagen, dass das Land anders ist, als ich es erwartet habe.

Guatemala. Allein der Name klingt nach Abenteuer. Während alle Welt nach Mexiko zu reisen scheint, die, die Qualität und Unberührtheit erleben wollen, Cost Rica aufsuchen, und jedes Kreuzfahrtschiff diesseits des Atlantiks in Panama anzulegen scheint, wirkt Guatemala etwas verloren. Aber das ist es nicht. Guatemala ist vielfältig. Auf kleiner Fläche finden sind die unendliche Regenwälder El Peténs im Norden mit ihren untergegangenen Großreichen. Im Südwesten bäumt sich das Land auf und lässt rießige Vulkane aus dem Boden sprießen, die zu den höchsten ganz Zentralamerikas zählen. Im Süden und Nordosten ist das Land von den größten Ozeanen unseres Planeten begrenzt und bietet Möglichkeiten zu surfen, tauchen oder einfach das karibische Lebensgefühl zu genießen. Diese Vielfalt blieb aber nicht unentdeckt.

Während Flüge von Europa aus wahnsinnig teuer sind, erreicht man Guatemala-Stadt vom Süden der USA für wenig Geld und in kürzester Zeit. Und US-Amerikaner sind auch die größte Gruppe von Reisenden, auf die man trifft. Ohne eine Wertung darüber abgeben zu wollen, kann ich sagen, dass sie ihren Einfluss auf das Land haben. In gewisser Weise fühlte ich mich hin&hergerissen zwischen dem Verlangen, all die großartigen (und touristische) Dinge in Guatemala zu sehen und zu erleben, und andererseits dem Wunsch, dieses unberührte Guatemala zu finden, welches ich mir im Vorfeld erwartet hatte. Konkret dürfte mir letzteres 3x gelungen sein, auch wenn es immer nur für einen Augenblick gewesen ist:

Das erste Mal, als ich am Markttag in Chichicastenango den Massen zu entkommen versuchte, und ich dabei auf einem kleinen Hügel außerhalb der Stadt landete, an dem die Maya immer noch ihre Gebete abhalten.
Das zweite Mal, als ich von Panajachel aus nach Santiago de Atitlan fuhr, nur um dort an einem kleinen Steg zu sitzen, während Fischer in ihren Einbäumen an mir vorbei ruderten, und mir freundlich zunickten.
Und das dritte Mal ist eigentlich ein Sammelpunkt für all die guten und billigen Mahlzeiten, die ich in den meist winzigen comedors hatte, fernab von Tischdecken, Service und ausreichend Besteck.

Ja, Guatemala ist anders als erwartet. Viele Wunder wurden entdeckt, und sind heute ein offenes Geheimnis. Was dieses Land jedoch ausmacht, sind nicht seine jahrtausende alten Ruinen, nicht die Vulkane und schon gar nicht die kolonialen Bauten. Ganz im Gegenteil: Es sind die Menschen, die zu einem großen Teil immer noch der indigenen Bevölkerung angehören. Sie sind es, die diesem Land seinen individuellen Charakter verleihen. Während ich in Mexiko manchmal das Gefühl hatte, diese Kultur werde nur für die Touristen aufrecht erhalten, fühlte es sich in Guatemala echt und unverfälscht an (außer vielleicht am Markttag in Chichicastenango – aber das ist ein eigenes Kapital).

Ich bin also nicht enttäuscht worden von Guatemala, nur wurde ich eben auf eine andere Art und Weise überrascht, als angenommen. Ich habe all das gesehen und unternommen, was ich mir im Vorfeld vorgenommen hatte. Das soll aber nicht heißen, dass es in Guatemala nichts mehr zu tun gäbe. Ich habe keinen der beiden Ozeane auch nur gesehen, war nicht in Semuc Champei und habe auch Guatemala-Stadt ausgelassen (etwas, dem ich aber absolut nicht nachweine – aber vielleicht müsste man es trotzdem gesehen haben).

Vielleicht würde ich noch einmal für ein paar Tage vorbeischauen in diesem Land, um zu sehen, ob die wenigen unberührten Orte immer noch da sind, und, um in einem kleinen Boot den Rio Dulce hinunterzufahren, und den Tag hinter mir zu lassen.

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