Chichicastenango – Zentralamerikas größter Markt

Vom tropischen Tikal aus Richtung Süden ins Hochland nach Chichicastenango. Das war der Plan. Dass sich das nicht an einem Nachmittag machen lassen wird, wurde mir schnell klar, vor allem, da ich direkt nach den Ruinen von Tikal los wollte. Da war es aber bereits nach 12:00, und nachts in Minibussen durch Guatemala zu düsen wollte ich möglichst vermeiden. Safety first!

Also zuerst zurück nach Flores ins Hostel, meine Sachen holen, die ich für den Tagesausflug nach Tikal nicht mitgenommen hatte. Schnell noch Mittag essen, denn wer weiß, wann es wieder etwas zu Essen gibt. Ziel war eigentlich Cobàn, etwa in der Mitte von Guatemala, damit ich am nächsten Tag nicht mehr so lange zu fahren hatte. Problem: Der einzige Direktbus von Flores nach Cobán fährt nur 1x am Tag, und das um 08:00. Ich schaue auf die Uhr. 14:00. Knapp daneben.

Plan B: Mit einem Minibus nach Sayaxché irgendwo in Guatemala. Auch gut. Von dort sollte es dann angeblich mehrere Weiterfahrmöglichkeiten geben. Warum ich überhaupt auf das „Hola, Amigo!“ des Guatemalesen am Busbahn reagiert habe, weiß ich nicht. Dass er ein Schlepper ist, war mir zwar bewusst, dennoch ließ ich mich darauf ein. Mein Guidebook sagt, dass die Fahrt 20Q kostet, jedoch ging man von einem der uralten Busse aus, und nicht von einem der moderneren Minibussen (die in jeder Hinsicht überlegen sind). Natürlich wurden 50Q verlangt. Da ich in der letzten Reihe saß hörte ich, was der Busfahrer und der Schlepper zu besprechen hatten. Einige kleinere Scheine wechselten den Besitzer, und dann bemerkten sie, dass ich sie beobachtet hatte. Der Fahrer verschwand Richtung Fahrertür. Ich warf dem Schlepper ein paar mäßig gute Brocken Spanisch entgegen, der daraufhin etwas verwirrt wirkte. Die Situation war jedoch irgendwie grotestk, sodass wir beide grinsen mussten. Ich ließ ihm seinen Triumph und den Gewinn von 3€ mit dem Wissen, die Sache durchschaut zu haben.

In Sayaxché gab es dann natürlich keinen Bus mehr nach Cobán, und ich fragte mich bei den Händlern durch, wann denn der erste Bus fahre. Aus der Schnittmenge von 5 Befragten kam ich dann auch das Ergebnis: Irgendwann zwischen halb 5 und 6. Ganz tolle Antwort. Ich entschied mich dafür, nicht direkt zu fahren, sondern einen der Busse nach San Antonio zu nehmen, und dort umzusteigen.

Im Morgengrauen ging es dann erstmal gemütlich (und dieses mal zum richtigen Preis) Richtung San Antonio. Jedoch haben Minibusse weder fixe Haltestellen, noch eine Maximalanzahl an Fahrgästen, weshalb ich schon bald meinen Freiraum einbüßen musste, und 1.5h mit angezogenen Beinen dasaß (Ja, Europäer hatten es schon immer schwer in solchen Bussen). Mitten im Nirgendwo auf einer einsamen Kreuzung hieß es dann: Aussteigen! Bus wechseln! Dieses mal saß ich auf der Bank rechts vom Fahrer zusammen mit einer älteren Frau. Die Freude über die Beinfreiheit währte nur kurz, denn auf der für 2 Personen gerade ausreichenden Bank nahm noch ein älterer Herr Platz, und ich musste Richtung Fahrer rücken. Eine gefühlte Ewigkeit saß ich dann zwischen der Bank und dem Fahrersitz, und bei jedem Schlagloch (und, oh Mann, davon gibt es viele!) hob es mich leicht aus dem Sitz, nur um wenige Augenblicke später wieder mit meinem Hintern auf der Anschnallvorrichtung zu landen. Was für ein Spaß! Die Fahrt schien kein Ende zu nehmen.

In San Antonio dann zum Glück 40 Minuten Pause bis zum nächsten Bus. Dieses Mal saß ich direkt am Fenster, was auch wieder eine schlechte Idee war. Ich schlief bei offenem Fenster ein und wachte erst auf, als ein LKW an uns vorbei fuhr. Mittlerweile waren wir auf einer staubigen Schotterpiste unterwegs, und kurz bevor ich das Fenster schließen konnte, bließ es uns eine große Wolke Staub in den Bus. Der Mann neben mir musste grinsen. Ich wollte auch, doch brachte nur ein Husten heraus.

In Uspatán war dann immer noch nicht Schluss, Nein! Erst einen Bus nach Quiché nehmen und von dort dann ENDLICH einen Bus nach Chichicastenango. Alles natürlich mit geringst möglicher Beinfreiheit, und mittlerweile spürte ich die holprigen Straßen auch im Rücken. 10 Minuten vor Sonnenuntergang dann: Chichicastenango! Ich checkte im erstbesten Hotel ein. 40Q. Das Zimmer war seit der Eröffnung unverändert.
„Erfolg und Glück mit Winnie Puh“ stand auf einem der Poster in meinem Zimmer. Ungewollt musste ich grinsen. Was lässt einen etwa 70 jährigen Mann (der der Besitzer des Hotels war) glauben, dass man so etwas in das Zimmer seiner Gäste hängen sollte? Egal, es war das perfekte Ende eines anstrengenden Tages. Wobei, nicht ganz. Kurz bevor ich eigentlich ins Bett fallen wollte sah ich eine etwa handteller große Spinne neben dem Spiegel sitzen. Es ist jetzt nicht so dass ich Angst vor Spinnen hätte. Dahein macht es mir nichts aus sie mit den Händen zu fangen, aber die hier war schon recht groß. Ich wollte sie eigentlich mit dem Schuh erschlagen, doch sie sah ihr Ende kommen und huschte hinter den Spiegel. Da ich nicht wollte, dass sie durch das Zimmer rennt, ließ ich sie da, wo sie war, und beschloss, diese Nacht das Licht nicht auszuschalten (was eigentlich vollkommen sinnlos ist, aber die Psyche beruhigte).

Chichicastenango ist eigentlich für seinen riesigen Markt berühmt, der jeden Donnerstag und Sonntag stattfindet. Ich war bereits samstags in der Stadt und konnte daher den „echten“ Markt sehen. Wieso „echter“? Naja während am Samstag keine Touristen in der Stadt waren, verkauften die überwiegend indigenen Einwohner vor allem Obst, Gemüse, Tiere und auch uralte Handys (von denen ich eigentlich am Sonntag eines kaufen wollte).

Am Sonntag dann ein ganz anderes Bild: Der Markt war voll mit Touristen, die wohl nur für einen Vormittag in die Stadt gekommen waren. Auf den Marktständen fand man dann nicht mehr Alltagsgegenstände, sondern Taschen, Tücher, Schnitzerein und Kleidung. Offensichtlich für die kaufkräftigen Touristen schön aufgestellt. Die Preise: Übertrieben. Konnte man den gleichen Pullover in Mexiko um etwa 60M$ kaufen, kostete er hier das dreifache (obwohl Guatemala ärmer ist). Ich suchte nach einen der 5 Elektronikständen, die ich am Tag davor gesehen hatte. Weg. An ihrer Stelle wurden jetzt Taschen und Armbänder verkauft. Nach 2h reicht mir dann das touristische Treiben, und ich wandere auf einen kleinen Berg auserhalb der Stadt zu einer alten Maya-Gedenkstätte. Hier gab es keine Massen. Hier waren nur ich und 2 Damen, die leise vor sich hin beten.

Ich will nicht sagen, dass es sich nicht lohnt, auf den Markt am Sonntsg oder Donnerstag zu gehen. Nein. Er ist bunt, laut und es gibt viele traditionelle Dinge zu kaufen. Doch würde ich sagen, dass es sich durchaus auszahlt, auch einen Tag vorher oder nahher in der Stadt zu sein. Zwar ist der Markt dann höchstens halb zu groß, aber näher an der Realität als an den großen Markttagen, die zu einer Touristenattraktion geworden sind.

Zum Abschluss noch ein nettes Zitat vom deutschen Schriftsteller Josef Reding:

Das schwerste Wort der Welt heißt nicht Popocapetéptl wie der Vulkan in Mexiko und nicht Chichicastenango wie der Ort in Guatemala und nicht Ouagadougou wie die Stadt in Afrika.
Das schwerste Wort der Welt heißt für viele „Danke“

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