San Cristobal de las Casas – „Achtung, Straßensperre direkt voraus“

San Cristobal de las Casas ist eine kleine Stadt im südöstlichen Bundesstaat Chiapas, und teilt seine Grenzen mit Guatemala. Es liegt auf dem „Gringo-Trail“ – der beliebten Reiseroute der „Weißen“ von Mexiko-Stadt nach Panama-Stadt. Das wird einem auch schnell bewusst, wenn man durch die kolonialen Pflastersteinstraßen spaziert: Es gibt unzählige Souvenirshops, Cafés und Restaurants.

Das große Aufkommen an Touristen hat sowohl seine guten als auch seine schlechten Seiten. Während es schon fast schwierig ist, einen Ort zu finden, an dem es  Essen um einen fairen Preis gibt, ist die Dichte an guten Hostels umso höher. Allen voran: Das Hostel Iguana. Vermutlich hätte ich jedes Hostel gemocht, nach meiner Erfahrung mit dem Verschwörungstheoretiker aus Oaxaca.

Eigentlich bin ich nur blind der Empfehlung von Mercedes und Steward ( aus England und Schottland, die ich schon aus Oaxaca kannte) gefolgt. Glück gehabt: Denn sie haben sich vermutlich für das beste Hostel in der Stadt entschieden. Am ersten Abend gab es dann „Han’s selbstgemachtes Curry“ und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es das beste Curry auserhalb Indien war, das ich jemals hatte. Ansonsten vertrieb man sich die Zeit mit Karten- und Travia spielen, Reden, Bier und Musik.

Die Stadt selbst lädt förmlich dazu ein, ein bisschen das Tempo aus seinem Reisealltag zu nehmen, und einfach einmal langsamer die Dinge anzugehen. (Ich habe das Gefühl, dass ich das mittlerweile über jede Stadt der letzten Wochen sagen könnte, doch die gemütlichs Mentalität der Mexikaner wirkt sich eben aus).

Nun der Bogen zur Überschrift: Chiapas hat eine bewegte Vergangenheit. Während der Kolonialzeit von Guatemala aus regiert, begannen dann im Zuge der Unabhängigkeit Guatemalas die Bürgerkriege und Rebellionen gegen die Spanier. Auch wenn das schon 150 Jahre Geschichte ist, gibt es immer noch Spannungen zwischen den Ureinwohnern, den Mexikanern und einigen letzten Widerstandskämpfern, die sich im Dschungel des Bundesstaates verstecken. 1994 kam es dann sogar soweit, dass die Zapatisten – eine indigene, bewaffnete, revolutionär eingestellte Gruppierung – aus den Bergen kamen, und San Cristobal de las Casas für 3 Tage besetzten, ehe die mexikanische Armee sie aus der Stadt vertreiben konnte. Ziel der Besetzung war es, die zunehmende Globalisierung der indigenen Bevölkerung zu verhindern – ohne Erfolg.

Heute haben die meisten Rebellen die Zustimmung in der Bevölkerung verloren, da sie dem Tourismus schaden. Dennoch gibt es die Abneigung gegen die Regierung immer noch. Wieder zu Tage getreten ist sie vor wenigen Tagen, genau zu dem Zeitpunkt, als ich in San Cristobal war:

Es gab vor geraumer Zeit Wahlen, jedoch wurde ein Teil der Stimmen nicht gewertet bzw. eine Regierungspartei von der Wahl ausgeschlossen. Was haben die Einwohner also getan? Sie habe die stark frequentierte Straße zwischen San Cristobal und Palenque kurzer Hand besetzt und lassen niemanden mit Fahrzeugen durch (zu Fuß soll eine Durchquerung weiterhin möglich sein). Natürlich war Palenque mein nächstes Ziel.
Es gibt sogar Gerüchte, dass die ausgeschlossene Regierungspartei Zelte, Essen und Getränke sponsert, um die Leute bei Laune zu halten und die Blockade andauern zu lassen.

Wir haben und dann übrigends für den 8-Stunden-Bus entschieden, der die Blockade umfahren hat. Normald Fahrzeit wären 5 Stunden gewesen. Naja, Rebellionen scheinen immer noch tief in der lateinamerikankschen Kultur verankert zu sein.

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