Oaxaca – Buntes Treiben

Ja, seitdem ich Guadalajara verlassen habe, liegen einige Kilometer Straße hinter mir. Über Morelia und Taxco, über die ich nicht viel zu schreiben weiß, ging es dann endlich raus aus dem zentramexikanischen Hochland und Richtung Süden. Oaxaca liegt direkt auf der beliebten Route von/nach Yucatàn bzw. Zentralamerika – versteht sich also, dass auch ich hier Halt machen wollte.

Doch das wäre schon fast gescheitert, bevor ich auch nur einen Fuß in die Stadt gesetzt hatte. Wieso? Was ich nicht wusste war, dass diese und nächste Woche das größte Fest des Jahres in Oaxaca stattfindet. Unterkünfte? Ausgebucht. Nach einigem Herumtelefonieren dann die Erkenntnis: Alle scheinen den Lonely Planet zu nutzen, denn alle vorgeschlagenrn Hostels sind voll. Genervt werfe ich meinen Reiseführer in die Ecke meines Zimmers. Dann, durch Zufall, fand ich doch noch etwas im Internet. Endlich!

Soweit so gut. Direktbus von Taxco nach Oaxaca gibt es natürlich nicht. Was hatte ich auch anderes erwartet. Einzige Möglichkeit: Zurück nach Méxiko-Stadt und von dort Richtung Süden. Eine kleine Odysee. Etwa 10 Stunden sollte ich an diesem Tag in Bussen verbringen, für eine Strecke, die man in Europa in der Hälfte der Zeit schaffen würde. Beschweren hilft aber bekanntlichermaßen sowieso nichts.

Oaxaca war aber die Anstrengung auf jeden Fall wert. Das eigentliche Festival findet nur Montags statt, aber die ganze Stadt verwandelt sich für zwei Wochen in einen riesigen Markt, auf dem nicht nur die Bevölkerung ihre Handwerkskunst verkauft, sondern auch Musiker und Künstler auftreten. Generell ist die Stadt sehr bunt. Sowohl die Häuser, als auch die Kleidung der Leute. Der Bundesstaat Oaxaca ist jener in Mexiko, mit der größten indigenen Bevölkerungsgruppe, was sich auch überall in der Stadt zeigt. Wie viele andere Städte in Mexiko hat Oaxaca nicht die weltberühmten Sehenswürdigkeiten, sondern besticht eher durch das Leben auf der Straße und die kulturellen Einflüsse der Ureinwohner.

Wobei, so ganz richtig ist das nicht mit den Sehenswürdigkeiten: Ein paar Kilometer außerhalb der Stadt liegt die Ruinenstadt Monte Albàn. Erbaut auf einem Berg, den die Ureinwohner vor Ewigkeiten mühsam zu einem Plateau umgewandelt haben, finden sich noch heute die antiken Anlagen. Einige von ihnen bieten einen gewaltigen Ausblick auf Oaxaca und die umliegende Ebene.

Eines der Dinge, an das ich mich aber am meisten erinnern werde in Oaxaca ist nicht die Stadt selbst, sondern ein eher merkwürdiger Zeitgenosse (Der so merkwürdig war, dass er jetzt sogar seine eigene Fußnote in meinem Blog bekommt):

Man stelle sich einen älteren, us-amerikanischen Herren (vermutlich 65+) vor. Soweit nichts besonderes, denn auch ältere Menschen reisen noch. Das erste Mal hat er mich angesprochen als ich eigentlich gerade in Badezimmer wollte. Da ich eine nette Unterhaltung erwartete, ließ ich mich auf eine Diskussion ein, die recht schnell in die Politik abdriftete. Gut. Doch schon nach wenigen Minuten fand ich mich in der Position wieder, jede seiner Aussagen widerlegen zu müssen. Beispiele gefällig?

-) Das Boston-Attentat vor 2 Jahren war kein Verbrechen. Nein, es war ein politischer Akt des Widerstandes und sollte deshalb straffrei bleiben.
-) Er sagte auch, dass er den IS unterstütze, weil dieser mit seinen Aktionen die US-Regierung schwäche
-) In Europa würde er auf der Straße sehr wohl eine Waffe tragen, denn damit wäre er besser ausgerüstet als die Polizei, gegen die er sich dann mit Waffengewalt verteidigen könne
-) Er hat 4000$ von Visa&Mastercard gestohlen, seine Karten zerschnitten, und meinte, dass man ihn erst ab einer Summe von 5.000$ in den USA verklagen würde, und er straffrei bleibe.
-) Er kennt den größten Diamantendieb der USA persönlich
-) Er kennt auch den Mann persönlich, der aus dem Hochsicherheitsgefängnis nahe Gudalajara ausbrechen konnte – natürlich der erste dem das gelungen ist.
-) Aber seine leidenschaftlichste Geschichte: Er ist der Ansicht, dass die weibliche Hauptfigur aus dem Roman „The girl with the dragon tatoo“ auf einer echten Person beruht. Die er – wie könnte es anders sein – selbst kennt.

Dazu muss man aber die ganze Geschichte kennen: Er hat sie – eine 41 jährige Frau – in einem Hotrl in Guatemala kennen gelernt. Sie wurde angeblich in den USA geboren, jedoch seien ihre Eltern verstorben, als sie 2 Jahre alt war. Sie wurde darauf hin von einer englischen Familie adoptiert. Die Familie sei jedich ein Haufen „psychopatischer Auftragskiller“, die im Namen der britischen Krone als Geheimdienst arbeiten, und politische Gegner auf der ganzen Welt beseitigen. Legal und authorisiert von der britischen Regierung und im Namen der Königin. Auch die Frau wurde zu einer Auftragskillern erzogen und zwar mit Gewalt. Als Beweis dazu sollen Schnittwunden an ihrem Arm dienen.

Die Familie soll seit 100 Jahren ihrer Tätigkeit nachgehen und in Geheimoperationen während des 2. Weltkriegs involviert gewesen sein. Sie sollen während des 2. Golfkriegs Ölfelder jn Kuwait in Brand gesteckt haben, Bombenanschläge in Israel durchgeführt haben, ja sie soll sogar dabei gewesen sein, als ihr Onke das Kernkraftwerk Tschernobyl sabotiert hat, und damit die größte nukleare Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg ausgelöst hat. Achso, und ja: ihr Cousin soll auch derjenige gewesen sein, der Osma bin Laden erschossen hat. Erst danach hätten die Amerikaner das Attentat fingiert um den Ruhm dafür einzustreichen.

Nun hat er es sich als Aufgabe gesetzt, Beweise zu sammeln, und die Familie vor Gericht zu bringen. (Was aber schwierig sei, weil die britische Regierung dies nicht zulasse).

So fest kann ich meinen Kopf gar nicht gegen den Tisch schlagen um zu zeigen, wie dumm, unglaubwürdig und erfunden ich diese Geschichte finde. Immerhin war es mal etwas anderes, als immer nur von den Orten zu schreiben, die ich gesehen habe. Beim nächsten Mal gibt es dann wieder „klassischere“ Berichte. Bis dann.

2 Gedanken zu “Oaxaca – Buntes Treiben

    • 99% aller Leute sind ja zum Glück nicht so, aber ab und zu trifft man eben auch welche, bei denen man einfach den Kopf schüttelt. Nur bei dem speziellen Fall konnte ich eben nicht wirklich aus, da er im selben Dorm geschlafen hat wie ich…

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