Guadalajara – Lucha Libre, Tequila und jede Menge Reisefeeling

„Game, Set and Match: Novak Đokovic!“ Soeben hatte der Serbe das Finale von Wimbledon gegen Roger Federer in 4 Sätzen für sich entschieden. Und dafür habe ich den ganzen Vormittag vor einem langsamen Live-Stream verbracht?! Ein bisschen geknickt bin ich schon, denn immerhin bin ich 2013 extra nach Wimbledon geflogen, um Federer live spielen zu sehen (und jaaa klar auch wegen dem Feeling an sich, aber vor allem wegen Federer). Ich schließe den Live-Stream, denn die Siegerehrung muss ich echt nicht mitansehen. Ich packe schnell meine Sachen und verabschiede mich aus Guanajuato.

4 Stunden Busfahrt später bin ich in Mexikos zweitgrößter Stadt: Guadalajara. Die Busfahrt ist jedoch eine Erwähnung wert, da sie doch ein bisschen anders war als sonst. Ungewollt, und doch recht günstig, bin ich in einem 1.Klasse Bus gelandet. Was das bedeutet? Enorme Beinfreiheit, Snacks, Klimaanlage und jeder Sitz hat seinen eigenen Fernseher mit Musik, Spielen und Filmen – zwar alles auf Spanisch aber das reicht vollkommen. Ich glaube dennoch, dass bei der Reservierung etwas schief gegangen ist, und ich eigentlich in einen Bus gehört hätte. Wie auch immer.

Kurz vor Sonnenuntergang bin ich dann bei meinem Hostel, nachdem ich zuvor eine knappe Stunde mit dem Stadtbus durch mehr oder weniger heruntergekommene Gegenden von Guadalajara geruckelt bin. Ja so stellt man sich die Orte vor, an denen die negativem Geschichten über Mexiko wahr werden könnten – aber alles halb so schlimm. Das Hostell dann: So sie es sein soll. Klein, sauber, gut geführt und vor allem ausgestattet mit dem Wichtigsten: Leuten, mit denen man einfach dasitzen kann, während man über Gott und die Welt redet. Ein bisschen bin ich froh, dass das hier nicht meine erste Reise ist, denn jeder der mit mir hier am Tisch sitzt, ist seit mindestens 6 Monaten unterwegs und hat haufenweise zu erzählen. Kurz gesagt: Es passt einfach.

Gestern Abend dann, das erste große Highlight: Jeweils Sonntags und Dienstags messen sich die mexikanischen Wrestler in der Arena miteinander, oder wie man es hier einfach nennt: Lucha Libre! Das Konzept ist denkbar einfach: Mehr oder weniger trainierte Männer mit bunten Masken und hautengen Anzügen hauen sich so lange, bis nur mehr einer steht (bzw. ein Team). Das ganze ist natürlich nur Show und wirklich weh tut sich hier niemand. Die Schläge sind einstudiert und der Sieger steht schon vorher fest – zumindest intern. Aber dennoch herrscht eine Stimmung in der Halle, bei der sich jene bei einigen Fußballspielen verstecken kann. Es gibt 2 Sektoren: Jener direkt um den Ring und jener der die Ränge umfasst. Oder besser gesagt: Die teuren und die billigen Tickets. Das Spannende dahinter: Es gibt nicht nur Fangruppen, die bestimmte Wrestler unterstützen und die jeweils andere Fangruppe durch – vorsichtig ausgedrückt – „Schmährufe“ versucht herunterzumachen, nein, es gibt sogar eine Art Rivalität zwischdn den billigen und den teuren Plätzen, welche lautstark kundgemacht werden. Auch wenn ich des Spanischen nur äußerst beschränkt mächtig bin, verstehe ich schon, was da gerufen wird. Sowas lernt man eben immer als erstes. Nach gut 90 Minuten und 5 verschiedenen Kämpfen ist das Spektakel vorbei, und alle gehen gut gelaunt und friendlich heim.

Heute dann Highlight #2: Tequila. Ja, Tequila kennt wohl so ziemlich jeder, die gleichnamige Stadt westlich von Guadalajara ist jedoch überschaubar und ein beliebtes Ausflugsziel. Was es zu sehen gibt, liegt auf der Hand: Kaum steigt man aus dem Bus, wird man von Schleppern abgefangen, die einem zu einer Tour durch eine Destillerie überreden wollen. Auch wenn ich solchen Touren normalerweise ablehnend gegenüber stehe, nehme ich dieses Mal an, denn immerhin bin ich dafür extra hergekommen. Da ich der einzige bin, der der Tour auf Spanisch nicht so ganz folgen kann, bekomme ich einen „Personal Guide“, der zeitgleich auch unser Busfahrer ist. In gutem Englisch zeigt er mir also die Agarvenfelder, die Destillerie und den Prozess der Verarbeitung. Am Ende heißt es dann: Verkostung! Oje, ich hätte wohl doch vorher Mittagessen sollen.

Schnell stelle ich fest, dass der Billigfusel, den man in Europa als „Tequila“ verkauft, nichts mit dem Produkt zu tun hat, welches hier hergestellt wird. Nach 6 verschiedenen Sorten wähle ich meinen persönlichen Sieger und schreibe mir den Namen auf. Es wäre ungeschickt jetzt eine Flasche zu kaufen, und dies dann 7 Wochen quer durch das Land zu schleppen. Ein Mexikaner, der jedoch in Vancouver lebt und ebenfalls nicht mehr als die 6 Sorten verkostet hat, kommt zu mir und meint: „Fühlst du dich auch gerade so betrunken?“ Verwundert schaue ich ihn an, weil ich selbst bisher nichts vom Tequila bemerkt habe, und schüttle leicht den Kopf, während ich mich über die mexikanisch-kanadischd Anfälligkeit für Alkohol wundere.

Scheint ja doch ein Körnchen Wahrheit in folgendem Satz zu stecken:“One Tequila, Two Tequila, Three Tequila, Floor!“ – Zumindest für manche.

2 Gedanken zu “Guadalajara – Lucha Libre, Tequila und jede Menge Reisefeeling

  1. Bei mir heißt es meistens One tequila, two Tequila, Würgereiz 😉
    Cool dass du schon wieder unterwegs bist und fleißig schreibst. Ich freue mich gerade total über die neue Lektüre. Grüße aus Bali
    Melanie

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