Mexiko Stadt – „Bienvenido a Latinoamerica!“

Es war also angerichtet: Ein neues Land, eine neue Kultur, ein neuer Kontinent. Doch welche Erwartungen hatte ich eigentlich an Mexiko-Stadt? Eigentlich gar keine. Wobei: So ganz richtig ist das auch nicht. Vielleicht waren es keine Erwartungen, jedoch hatte ich doch ein gewisses Bild über diese Stadt im Kopf, und ehrlich gesagt, war es kein gutes.

Mexiko. Das klingt für viele nach Gewalt, Drogen und Armut. Ein Land, in dem man besser nicht nachts alleine herumgehen sollte. Und genau da beginnt meine Geschichte über Mexiko-Stadt:

Nachdem mein Flieger aus Toronto erst einmal 4 Stunden Verspätung hatte, landete ich gegen 04:30 morgens in Mexiko-Stadt. Ein Taxi (für das ich nicht einmal bezahlen musste) war schnell gefunden. Kurz vor meinem Ziel dann der Haken: der „Plaza de la constitution“ ist nachts für Taxis gesperrt. Mit ein wenig Spanisch und Google Maps erklärte mir der Fahrer wie ich denn an mein Ziel kommen würde. Zu Fuß. Nachts. In Mexiko-Stadt. Vermutlich keine so gute Idee doch ich machte mich auf den Weg und schon nach dem ersten Abbiegen wusste ich, dass alles in Ordnung war. Der ganze Platz war abgesperrt, und wurde von schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Sie hatten sogar ein gepanzertes Fahrzeug mit aufgesetztem Maschinengewehr. Spätestens da wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr in Asien war.

08:00 läutet mein Wecker. Ich habe kaum geschlafen. Kurz rechne ich nach: 08:00 in Mexiko bedeutet 15:00 in Wien. Alles klar. Der Jetlag hat mich erwischt. Da ich mich eigentlich wenig auf Mexiko-Stadt vorbereitet hatte, schloss ich mich der Free-Walking-Tour meines Hostels an, und ließ mich überraschen, wo es hin ging. Es wurde die Residenz von Maximilian I von Habsburg (klar, dass unser Guide wahnsinnig viel zu erzählen hatte, als er herausfand, dass ich aus Österreich bin). Anschließend stand noch eine „Tequila-Night“ an, doch mein Kopf war so schon schwer genug. Um 20:00 dachte ich mir, dass sich das mit dem Jetlag schon legen wird. Viel mehr dachte ich mir an diesem Abend nicht mehr. Um 07:30 piepte der Wecker erneut. Ich fühlte mich, als hätte ich keine Sekunde geschlafen, obwohl ich fast 12 Stunden durchgeschlafen hatte (Wobei nein, kurz wurde ich von meinen französischen Zimmerkollegen geweckt, die von der Tequila-Night zurückkamen).

Beim Frühstück lernte ich dann Steffen aus Deutschland kennen, der die nächsten 2 Tage meine Begleitung sein sollte. Eigentlich wollten wir am ersten Tag nur etwas in der Altstadt herumwandern, doch es wurde am Ende ein Marathon durch die halbe Stadt. Ohne U-Bahn versteht sich. Grob überschlagen waren es wohl 18 Kilometer. Warum? Weil wir mehr von der Stadt sehen wollten. Und hat es funktioniert? Ja! Wir sind zufällig in eine Demonstration geraten. Da sie sowieso in die Richtung marschierte, in die wir wollten, und friedlich wirkte, gingen wir daneben mit. Mit vereinten Kräften konnten wir das Gekreische aus den Lautsprechern und die Rufe ins Deutsche übersetzen (wenigstens das Wichtigste): Sie forderten freie Bildung für alle, und einen Stop der Privatisierung der Bildung, denn dies sei für die einfachen Leute nicht leistbar.

Ziemlich spannend war auch jene Tradition, die wir durch Zufall miterlebten: 4 Männer klettern auf einen Mast (~12 Meter), binden sich an den Gelenken mit Seilen fest, drehen sich ein, und lassen sich dann langsam, Kopf über, hinunter. Braucht es noch mehr Gründe, nicht die U-Bahn zu nutzen? Ja? Dann hier noch einer: Einer meiner Zimmerkolleginnen wurde die Kamera gestohlen. In der U-Bahn versteht sich. Beweisführung abgeschlossen.

Die Pyramiden von Teotihuacan machten wir dann ebenfalls auf eigene Faust. Der Preis dafür: Schwere Beine und einen ordentlichen Sonnenbrand, aber glaubt mir, das war es auf jeden Fall wert. Und auch wenn wir Sonntags dort waren und ziemlich viel los war, hatte dies dennoch keinen Einfluss darauf, wie großartig diese Pyramiden wirken.

Mexiko-Stadt selbst präsentierte sich mir ganz anders, als man es vielleicht im Vorhinein vermuten mochte. Die Altstsdt selbst hat ein wahnsinniges Potential, wenn sich denn nur einmal jemand um die Instandhaltung kümmern würde. Die Bezirke um die Altstadt sind modern, und könnten so auch in mittelgroßen US-Städten aussehen. Als wir jedoch nach Teotihucan fuhren, sahen wir, wo große Teile der Bevölkerung leben: In einfachen Häusern, die sich wie ein Teppich über die unzähligen Hügel der Stadt legen. Dies sind vermutlich jene Orte, in denen die Schreckensgeschichten von Mexiko-Stadt passieren. So weit weg von jenen Orten, in die ein normaler Tourist seinen Fuß setzt, als wären diese Viertel in einem anderen Land.

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2 Gedanken zu “Mexiko Stadt – „Bienvenido a Latinoamerica!“

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