Rayen/Yazd – Und plötzlich war da Schnee

Von Bam aus ging es weiter in den Osten, Richtung Kerman, eine Stadt, von der es wenig zu erzählen gibt.
Wovon es aber zu erzählen gibt, ist Rayen, ein kleiner Ort, etwa 1.5h östlich von Kerman. Nach dem Erdbeben von Bam 2003 wurde die Lehmzitadelle in Rayen als das „Neue Bam“ gefeiert. Da es aber schon spät war, als wir Rayen erreichten, beschlossen wir, im einzigen Hotel in der Stadt zu übernachten. Auf der Fahrt dorthin begann es zu regnen. Stark zu regnen – ein bisschen wie in der Regenzeit Indiens, nur dass es sehr, sehr kalt war. Da standen wir also, im strömenden Regen vor der Tür des Hotels, wild klopfend, rufend, klingelnd. Nichts. Keiner rührte sich im Hotel. Der Taxifahrer warf mit kleinen Steinen auf das Fenster im erstem Stock. Weiterhin Stille. Wird wurden immer nasser.

Auf der anderen Straüenseite verluden gerade 3 Männer ihre Waren. Sie meinten, dass eigentlich jemand da sein müsste. Wir sollten einfach weiterklopfen. Nach einer guten Viertelstunde später öffnete ein kleiner schwarzhaariger Perser die Tür. Er war sichtlich verschlafen und vollkommen orientierungslos. Er winkte uns zu sich ins Hotel. Irgendwann gesellte sich noch ein zweiter Perser dazu – vielleicht sein Bruder, vielleicht auch nicht. Im Zimmer angekommen, wir waren übrigends die einzigen Gäste, merkten wir, dass es hier die selbe Temperatur hatte, wie draußen. Das Kabel eines kleinen Heizstrahlers wurde mit den aus der Wand hängenden Drähten der Steckdose verbunden, und die Heizstäbe begannen langsam zu glühen. Der Besitzer schlurfte aus dem Zimmer. Schnell merkten wir, dass die Feuchtigkeit den Wänden schwer zugesetzt hatten. Ein Teil der Wand unter dem Fenster ließ sich mit den Zeigefinger eindrücken. Auch der Rest der Wände war aufgeweicht.

Nach einer regnerischen Nacht war der nächste Morgen ebenfalls kalt. Auf den Bergen rund um Rayen hatte es geschneit. Nachdem wir früh Morgens die Zitadelle gesehen hatten, bestellten wir Frühstück. Der Besitzer verschwand auf sein Zimmer, und kam nicht mehr zurück. Zum Glück war das Zimmer billig. Vermutlich dachte er sich, dass es wohl ein Fehler gewesen sei, uns die Tür überhaupt aufzumachen. Wir nahmen ein Sammeltaxi, und fuhren zurück nach Kerman.

Da das Wetter wieder schlechter wurden, änderten wir unseren Plan, nach Meymand zu fahren, und nahmen direkt einen Bus nach Yazd, wo wir uns besseres Wetter erwarteten, und tatsächlich, als wir Yazd erreichten, scheinte teilweise wieder die Sonne.

Viele, die in den Iran reisen, meinen, dass Isfahan die schönste Stadt sei. Ich selbst bin mir da etwas unsicher, denn Yazd ist mit Sicherheit ein starker Konkurrent im Kampf um den Titel „Irans schönste Stadt“. Abgesehen von der Stadt selbst, war auch der Besuch in einem lokalen Krankenhaus sehr spannend. Ja wir wurden wieder, wie bereits in Bangladesch, von einem Arzt in ein Krankenhaus eingeladen – Christopher sei dank, denn er war im Zug nach Zahedan mit einem Arzt aus Yazd ins Gespräch gekommen. Das kurze Fazit eines Nicht-Mediziners: Im Iran würde ich mir im Vergleich zu Bangladesch keine Sorgen machen, wenn ich eine Operation benötigen würde.

Die Stadt, der Besuch im Krankenhaus, das Guesthouse und die Leute, die wir in Yazd getroffen hatten, machen diese Stadt für mich zur interessantesten der ganzen Reise.
Am Abend des dritten Tages wollte wir eigentlich mit dem Bus weiter nach Shiraz fahren, doch schlechtes Wetter auf dem Weg dahin hinterte uns daran, denn die Regierung hatte die Straße gesperrt. Am nächsten Morgen merkten wir auch, wieso: Über Nacht hatte es gute 10 cm Schnee gegeben, und das in der Wüste! (ok ok, Yazd liegt auf 1.200m, aber trotzdem).
Am Busbahnhof vertrieben wir uns dann die Zeit mit Schneebälle-werfen, und damit, einen kleinen Schneemann zu bauen. Das gehört sicher zu den Dingen, die ich vor Antritt der Reise nicht erwartet hätte.

PS: Das traditionelle Fazit über mein Reiseland folgt in den nächsten Tagen.

7 Gedanken zu “Rayen/Yazd – Und plötzlich war da Schnee

  1. Hallo Alex!
    Laura hat mir erst jetzt berichtet,dass du dich wieder(jeztzt eh schon längere Zeit) auf das Abenteuer Reisen eingelassen hast. Ich lese mit großem Vergnügen deine spannenden und anschaulich geschilderten Berichte.Ja Reisen gehört wohl zu den schönsten Dingen,die man machen kann,aber als Erwachsener ist da die Freiheit doch ein wenig mehr eingeschränkt, als früher….Genieße jedenfalls noch die letzten Tage im Iran…
    Schöne Grüße
    Manon (Mama von Laura(Supp))

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  2. Kann mich der Aussage von Frau Manon nur anschließen. Stehst du erstmal im Alltag und im Berufsleben, ist die Reisefreiheit und die Reisedauer stark eingeschränkt. Beruf, Familie, Alltag – alle wollen was von dir. Ich bin froh, dass ich in jungen Jahren die Welt bereist habe. Alle Ecken in Europa habe ich kennengelernt, dazu Türkei, Nordafrika, Zimbabwe, Kanada und ein Jahr Israel. Eine schöne Zeit. Leider waren die Flüge damals sauteuer. Schöne Berichte. Schreib weiter.

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  3. „…folgt in den nächsten Tagen“ 😛 hast du schon angefangen? Aber mal wieder gut geschrieben!
    Ich will dich verlinken! Bis zum 24. Hast du noch Zeit, dann ist deadline!

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