Bam – Wie der Phönix aus der Asche

Ich gebe zu, ich war eigentlich sehr froh, dass uns Herr Akbar – der Besitzer unseres Guesthouses – uns bei der Preisverhandlung unterstützt hatte. Noch froher war ich darüber, dass er uns kurz darauf mit seinem alten Auto zu einem Restaurant in der Nähe brachte, denn wir hatten den ganzen Tag nur Snacks und Brot.

Bam selbst zählte bis 2003 zu den bedeutensten Plätzen für Touristen im ganzen Iran. Die aus Lehm gebaute Altstadt und das aus dem selben Material errichtete Fort waren das Highlight im gesamten Osten des Landes, doch dann änderte sich alles schlagartig: Ein Erdbeben erschütterte die Stadt, die zu großen Teilen nur aus Ziegelsteinhäusern und Lehmhütten bestand, komplett. 45.000 Menschen verloren dabei ihr Leben – mehr als die Hälfte der gesamten Einwohnerzahl. Herr Akbar erzählte uns, dass auch sein Guesthouse damals zerstört wurde, dennoch wollte er nicht aufgeben, also begann er kurz nach dem Unglück, Reisenden einen Platz in einer kleinen Zeltstadt anzubieten, die er auf seinem Grundstück errichtet hatte. Heute, 12 Jahre später, zählt sein Guesthouse zu einem der bekanntesten der ganzen Region!

Auch wenn das Arg-e Bam – so nennen die Perser die alte Zitadelle – bei weitem nicht mehr das ist, was sie einmal gewesen sein muss, wollten wir sie trotzdem sehen, sicher auch deshalb, weil heute nicht mehr so viele Reisende in Bam Halt machen, wie vor 2003. Die Stadt selbst wirkt an vielen Orten extrem weitläufig, trotz ihrer eher niedrigen Einwohnerzahl. Außerdem befinden sich in beinahe jeder Straße nach wie vor Baustellen

. Es wird wohl noch lange dauern, bis sich dieser Ort von dem Erdbeben erholt hat.

Als wir das UNESCO-Weltkulturerbe betraten war zu unserer Überraschung niemand sonst, außer dem Ticketverkäufer, der in seiner Wellblechhütte Zeitung laß. Auch in der riesigen Anlage: Keiner. Ein Problem, das wir schnell feststellten war, dass trotz der Weitläufigkeit viele Wege durch Sperren blockiert wurden, obwohl die Straßen frei und stabil waren. Naja was soll ich sagen? Wer „Wegsperren“ so schlecht platziert, dass man obrn und unten locker vorbei kann, muss damit rechnen, dass sich niemand daran hält – schon gar nicht wir. Wenn man die öffentlichen Wege etwas verlässt, wird einem das Gesamtausmaß der Zerstörung erst richtig bewusst, denn links und rechts der offiziellen Straße wurde viel wieder ausgebaut, dahinter liegt jedoch weiterhin Lles in Trümmern.

Irgendwann kamen wir dann auf den „echten“ Pfad zurück, und mussten feststellen, dass die Zitadelle – das eigentliche Herzstück – ebenfalls abgesperrt war. Sich durch die Gitterstäbe durchzwängen wäre dann doch etwas schwieriger gewesen, also blieb uns leider nur eine Option. Es blaeiben lassen? Nein, natürlich nicht, sondern außen herum. Außen herum bedeutet, dass man zuerst einen kleinen Hügel innerhalb der Anlage hinaufgehen muss, bis man die äußere Stadtmauer erreicht, die an vielen Stellen große Spalte hat. Ist man erst durch einen dieser Spalte hindurchgeschlüpft, steht man zwischen Außenmauer und Hang (Hang mag etwas übertrieben sein – wäre man ausgerutscht hätte man sich höchstens einen blauen Hintern geholt, weil man 3-4 Meter abgerutscht wäre). Schwieriger war es dann eher, einen geeigneten Ort zu finden, um über die Mauer wieder in die Zitadelle hineinzukommen. Zum Glück gab es ein kleines Gerüst, auf dem auch die Arbeiter während der Woche in die Zitadelle gelangten. Während ich diesen Weg wählte, versuchte Christopher es, an einer flachen, aber engen Stelle hineinzuklettern.

Erst einmal in der Zitadelle angekommen, war der Ausblick über die zerstörte Lehmstadt schon etwas besonderes. Unten auf ddm Weg hürte ich einen Wächter, der auf seinem Moped durch die Anlage Streifr fuhr. Hätte er uns gesehen, hätte es wohl Ärger gegeben und wir wären hinausgeflogen, aber er dürfte eher unmotiviert gewesen sein, und war kurz darauf auch schon wieder weg.
Nach einiger Suche fand ich dann auch Chrstopher wieder, der seinen Plan doch aufgegeben hatte, und den selben Weg gegangen war, wie ich. Beim hinuntergehen bemerkten wir, dass es auch einen einfacheren Weg gegeben hätte, hineinzukommen. Das wäre aber vermutlich nicht so spannend gewesen. Auf dem Weg hinaus musste man noch ein Gitter überwinden, und da waren wir wieder: Zurück am „erlaubten“ Weg.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s