Teheran – Jahrestag der Revolution

Was bedeutet es, als einziger Ausländer im ganzen Zug 13 Stunden lang von Mashhad nach Teheran zu fahren? Auf jedenfall, dass man von den iranischen Familien um einen herum mit verschiedenen Snacks zu Tode gefüttert, und von dem Zugpersonal beinahe in Chai ertränkt wird. Die iranische Gastfreundlichkeit kennt eben keine Grenzen, und ein „Nein“ wird nicht akzeptiert. Mir soll’s recht sein.

Also da bin ich wieder: Zurück in Teheran. Wieso? Weil Christopher (wer hier regelmäßig mitließt kennt ihn bereits) mich die nächsten 3 Wochen begleiten wird, und ich ihn vom Flughafen abholen soll. Unser Plan für den 11. Februar: Uns die große Parade am Meydan-e Azadi ansehen, denn immerhin jährt sich der Tag der islamischen Revolution zum 36. Mal. Die U-Bahnen sind brechend voll, und wäre das Fahren an diesem Tag nicht gratis gewesen, hätte es wohl einen halben Tag gedauert, eine Fahrkarte zu bekommen.

Die Straße zum Azadi war extra für die Parade und die Menschenmassen gesperrt worden. Wir kamen erst gegen Ende der Feierlichkeiten – zum Glück, denn ansonsten wäre an ein Vorankommen nicht zu denken gewesen. Links und rechts der Straße waren Bühnen aufgebaut, auf denen Reden gehalten wurden, und laute Musik aus den Lautsprecher dröhnte. Tausende Flaggen schmückten den Weg, und beinahe von jedem Plakat blickten die beiden Ayathollas auf die feiernde Masse herab. Und ja, es gab sie, die anti-amerikanischen und anti-israelischen Plakate. Die Menschen trugen Schilder mit der Aufschrift „Down with U.S.A“ und „Down with Israel“. Doch ich denke der Schein trügt, denn die meisten Schilder wurden nicht von den Mneschen selbst mitgebracht, sondern von Regierungsmitarbeitern verteilt. Viele trugen aber auch positive Schilder, auf denen „Wir halten durch bis zum Ende“ oder „Wir stehen zusammen“ zu lesen war. Ja, die Sanktionen treffen den Iran. Hart sogar, doch die Menschen scheinen sich nicht der Situation zu ergeben, sondern arbeiten daran, damit es besser wird.

Als wir die Straße Richtung Azadi gingen, und die feiernden Menschen fotografierten, tippte mir plötzlich jemand auf die Schulter. Zuerst dachte ich, es sei nur ein weiterer Iraner, der ein Foto mit uns machen wollte (Bangladesch lässt grüßen). Doch es war ein kleiner Perser in schwarz gekleidet, mit einem Funkgerät in der Hand. Ab da wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Er meinte wir sollten doch ein paar Schritte zur Seite gehen, er hätte da ein paar Fragen an uns. Das klang nicht sehr gut. Schnell war klar, dass wir in eine staatliche Kontrolle geraten waren. Man fragte uns nach unserer Herkunft, unserem Zweck der Reise und was wir bei der Parade machten. Wir antworteten ehrlich und unverfänglich, um möglichst schnell wieder aus dieser unangenehmen Situation herauszukommen. Nach 10 Minuten war alles vorbei, und wir konnten weitergehen. Vorerst zumindest.

Als wir beinahe den Azadi erreicht hatten, wurden wir erneut angehalten. Wieder war es der kleine Perser in schwarz und sein Kollege. Wir müssten nochmal mitkommen, es gäbe da noch ein paar Sachen zu klären. Oje. Naja also gingen wir zurück. Weit zurück. Als wir dann an den Rand der Straße gebeten wurden, war schnell klar, worum es ging. Taschen öffnen, alles herausnehmen. Doch dabei blieb es nicht. Auch unsere Kameras wurden kontrolliert. Jedes einzelne Foto. Ich gebe zu, zuerst dachte ich, dass die Fotos die ich von den Propagandaplakaten gemacht hatte, uns Schwierigkeiten machen könnten. Aber nichts. Ich wurde gefragt ob ich von der Presse sei. Wäre ich das gewesen, hätte uns das vermutlich große Schwierigkeiten bereitet. Als ich dies verneinte, kippe die Stimmung plötzlich von passiv-aggressiv in totale Freundlichkeit. Er wünschte uns noch einen schönen Tag, entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und bedankte sich für unsere Kooperation. Alles gut gegangen. Ich denke wir hatten ein bisschen Pech, dass wir herausgefischt wurden, doch solange alles gut geht, muss man nicht weiter darüber nachdenken.

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