Mashhad – Heiligtum der Schia

Zuerst einmal zum Verständnis: Der Eintrag über Teheran war von meiner ersten Reise in den Iran. Mittlerweile bin ich aber bereits wieder in den Iran gereist, da ich nun jetzt mehr Zeit habe, und es noch so viel zu sehen gibt.

Da saß ich also: Sonnemblumemkernkauend in einem dieser gelben Taxis, die es zu tausenden in Teheran gibt. Am Steuer ein alter Perser, der sich ausgelassen mit mir auf Farsi unterhält. Ich verstehe nichts. Irgendwann scheint auch er das verstanden zu haben, und schweigt. Die Stille wird nur von dem Geräusch unterbrochen, das es macht, wenn er auf einer neuen Ladung Sonnenblumenkerne herumkaut. Dann und wann entledigt er sich der leeren Schalen, doch der Fensterheber fehlt schon lange. Man muss die Scheiben mit der Handfläche nach oben und unten schieben. Das scheint ihn nicht weiter zu stören, und wir suchen unseren Weg durch das tiefnächtliche Teheran.

Da ich von Teheran nicht sonderlich begeistert bin, breche ich noch am selben Tag mit dem Nachtzug nach Mashhad auf. 490.000 Rial. Dafür gibt es 1. Klasse, ein brauchbares Bett und sogar Essen und Trinken. Preis-Leistungsverhältnis? Schwer in Ordnung. 12 Stunden und 910km nordöstlich wache ich auf. Mashhad.

Von der Stadt selbst ist nicht viel zu erwarten. Es ist zweitgrößte im Iran und es verirren sich nicht viele Touristen in diese Gegend außer sie befinden sich gerade vom oder am Weg aus Zentralasien, oder noch seltener, am Weg nach Afghanistan. Beides ist etwa 250-300 km von hier entfernt. Relevant ist Mashhad aber vor allem für schiitische Moslems, denn hier ist Imam Reza, einer der heiligen 12 Imame der Schiiten, begraben. Der Einzige auf iranischem Boden. Wenn man also hierher kommt, dann kommt man früher oder später am Imam Reza Schrein vorbei. Dabei handelt es sich um einen riesigen Komplex, in dessen Mitte der „Heilige Schrein“ mit den sterblichen Überresten des Imams steht. Viele Teile des Komplexes sind für Nicht-Muslime gesperrt. Zumindest soweit die Theorie.

Von anderen Reisenden hatte ich gehört und gelesen, dass sie, sobald sie den Komplex betreten hatten, von einem Tourguide abgefangen wurden, und durch die Anlage geführt wurden (vermutlich als Vorsorge, dass sich ja keine „Ungläubigen“ am falschen Ort aufhalten). Ich kann nur sagen, dass ich von niemanden angesprochen wurde, und mich vollkommen frei bewegen durfte. So habe ich den Jomhuri Platz, der von den beiden goldenen Minaretten eingeschlossen wird, mehrmals durchquert, ja sogar einige Zeit dort gesessen habe ich. Als ich zum Grab des Imams wollte, wurde ich ebenfalls nicht aufgehalten, obwohl es genug Wächter innerhalb der Anlage gibt. Und dann stand ich also davor, vor dem zarih, dem goldenen Käfig, unter dem sich der Leichnam des Imams befindet. Der zarih wird von den gläubigen Schiiten berührt und geküsst. Mittendrin stehe ich. Ein „Ungläubiger“ am heligsten Ort der Schias. Wenn das Chomeini wüsste!
An anderen Orten wird lauthals gebetet und der ein oder andere weint sogar. Fast könnte man meinen, Imam Reza sei erst gestern, und nicht vor über 1000 Jahren verstorben. So tief sitzt die Verbundenheit zu ihm. Wie gesagt, ich durfte jeden Ort betreten, den auch Muslime betreten dürfen. Auch bei meinem zweiten Besuch am nächsten Tagin fragte mich keiner nach meiner Konfession.

Ein paar Worte noch zu meiner Unterkunft: Schon im Vorfeld habe ich gewusst, dass Vali’s non-smoking Homestay vermutlich einer der besten Orte sein würde, an dem ich je auf meinen Reisen geschlafen hatte, und ich sollte Recht behalten. Vali ist ein Teppichknüpfer, der sein Englischdiplom Mitte der 70er in England gemacht hat. Der Schlafraum ist am Boden und an den Wänden komplett mit Teppichen ausgelegt. Für einen kleinen Aufpreis gibt es traditionelles Frühstück und Abendessen, das seine Frau selbst zubereitet. Alles in allem wahrscheinlich einer der besten Orte, an denen man übernachten kann.

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2 Gedanken zu “Mashhad – Heiligtum der Schia

    • Meistens ja, da sich entweder niemand in meinem Freundeskreis findet, der sich mit meinem Reisestil anfreunden kann bzw. ich es oft auch angenehm finde, in meinem eigenen Tempo reisen zu können. Die nächsten 3 Wochen wird mich aber ein Freund begleiten, der morgen Früh landet.

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