Teheran – Zwischen modernem Flair und schlechtem Ruf

Eigentlich hatte ich ja vor, wie gewohnt während meiner Iran-Reise zu bloggen, doch aufgrund mehrerer Umstände musste ich diesen Plan bald aufgeben. Ich versuche daher, die ausstehenden Einträge in den nächsten Tagen aufzuarbeiten und auch sonst den Blog für 2015 fit zu machen.

Das Titelbild dieses Eintrags wird Teheran nicht gerecht. Nein, ganz und gar nicht. Dennoch stellt es diese Stadt so dar, wie sie viele Leute gerne haben möchten: amerikafeindlich, aggressiv, kriegstreiberisch. Doch das ist Teheran nicht. Nicht im Geringsten. Diese Vorurteile jedoch auszutreiben, wird mir hier dennoch nicht gelingen.

Als ich im Vorfeld erzählt hatte, dass ich in den Iran reisen werde, bekam ich wohl jenes zu hören. das 99% aller anderen bereits vor mir gehört hatte, als diese ihren Freunden und Verwandten erzählten, dass sie dieses Land als neues Reiseland auserkoren hatten: „Bist du verrückt?“, „Ist es dort nicht gefährlich?“, „Aber dort ist doch Krieg!“, „Du willst dich wohl umbringen!“. Ja, dem allem, und noch viel mehr sah ich mich gegenübergestellt. Wieso also trotzdem fahren? Weil ich zeigen wollte, dass der Iran anders ist, als man ihn im Westen darstellt. Dazu hatte ich jetzt die Möglichkeit.

06:30 Uhr: Landung am Imam Khomeini Airport in Teheran. Geschafft. Seit über 2 Jahren galt der Iran als nächstes Reiseziel, doch er zog immer den Kürzeren. Bis jetzt.
Ach ja, eines ist noch anzumerken: Im Vergleich zu sonst, bin ich dieses mal nicht alleine unterwegs sondern in Begleitung meiner Mutter und meines Stiefvaters, denn der eigentliche Grund dieser Reise ist es, einen Freund der Familie zu besuchen, der im Iran lebt. Dennoch ist die Reise dadurch nicht minder interessant.

Also zu Teheran: Zugegeben, ich war ein bisschen überrascht. Teheran war anders, als ich es erwartet hatte. Eine Großstadt? Bei 12 Mio. Einwohner sicher zu bejahen. Eine typische Großstadt des Nahen Ostens? Absolut nicht.
Teheran ist modern. Sehr sogar. Keine Spur von verstaubten Straßen und einstürzenden Häusern. Es wird überall gebaut und saniert. Weit und breit ist von westlichen Embargos nichts zu sehen. Zara, Nike, Puma, Polo und Adidas reihen sich aneinander. Die Kopftuchpflicht für Frauen besteht; doch Vollverschleierung? Im Gegenteil: Modisch wird nur ein Teil des Haares mit passenden Tüchern bedeckt. Teheran als Hauptstadt des „Schurkenstaates“, der angeblich nach der Atombombe greift? Das wirkt eher wie ein schlechtes Märchen.

Dennoch bleibt ein fahler Beigeschmack. Ist alles nur von findigen Staatsmännern erdacht, um die Sanktionen zu rechtfertigen? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass es sie noch gibt, die anti-westliche Propaganda, auch wenn sie, bis auf die bemalten Wände der 1979 gestürmten und in Folge aufgegebenen US-Botschaft (siehe Titelbild) pro-iranischer Werbung gewichen ist. Es gibt sie, die riesigen Plakate der beiden Ayatollahs, um zu zeigen, wer die Macht im Staat hat, und wem der Frieden zu verdanken ist. Auch gibt es sie, die Erinnerungstafeln, die die Gesichter der im Iran-Irak Krieg gefallenen Soldaten zeigen. Sie sind gut ersichtlich quer über die ganze Stadt verteilt. Ein Drama, von dem sich das Land gesellschaftlich bis heute nicht voll erholt hat. Doch von einem 2Hass auf den Westen“ ist nichts zu spüren. Im Gegenteil: Vielen Iranern sieht man an, dass sie froh sind, Ausländer zu treffen. Das allein zeigt, dass der Iran bereit ist, sich zu öffnen.

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