Agra – Oh, Taj Mahal, du Schöne!

Ja, es gehört einfach zu einer Indienreise dazu. Egal wie heiß es ist, egal wie überfüllt es ist, egal wie viele Schlepper oder ähnliches versuchen, mehr Geld als nötig aus dir herauszubekommen, und selbst wenn du denkst, es aus diesen Gründen auslassen zu können, lass dir gesagt sein: Du kannst es nicht.

Das Taj Mahal ist schön. Mehr als das. Es ist ein Meisterwerk umgeben von Chaos und Dreck. Nicht umsont meinen viele, dass es das schönste Bauwerk auf diesem Planeten ist. Natürlich konnte auch ich mich dem Charme des Taj Mahals nicht entziehen, und war desshalb schon um 05:00 Uhr aufgestanden, nur um einer der ersten an diesem Tag zu sein, der sieht, wie die morgendlichen Sonnenstrahlen das Taj Mahal erstrahlen lassen.

Um 06:00 und nach strengen Sicherheitskontrollen (immerhin will man ja das Wahrzeichen Indiens keiner Gefahr aussetzen) stand ich dann da, wo so ziemlich jeder andere Indienreisende vor mir schon stand. Ich ließ das ganze erstmal auf mich wirken, und dabei kam ich mit einem indischen Reiseführer ins Reden, der seiner japanischen Reisegruppe gerade Freizeit gegeben hatte, das Taj Mahal für sich zu entdecken. Ich erfuhr, dass Reiseführer zu sein auch bedeutet, 7 Tage die Woche, 9 Monate am Stück zu arbeiten, spät schlafenzugehen, früh aufzustehen und sich manche Bauwerke 100te Male anzusehen.

Nachdem ich über 2 Stunden in der Anlage herumspaziert war, ging es zurück ins Hotel, denn immerhin war es gerade einmal 08:40 Uhr und der ganze Tag lag noch vor mir, also konnte ich mich genauso gut auch noch in bisschen hinlegen.

Am Nachmittag ging es dann zum Agra Fort, zudem ich hier nichts Besonderes sagen kann, außer, dass es definitiv einen Besuh wert ist. Zuvor hatte ich aber einem alten Tuk-Tuk Fahrer versprochen, nachher mit ihm zurück zu meinem Hotel zu fahren. Zuvor musste ich aber noch zum Post-Office, ein Versprechen einlösen, ehe es zurück zum Hotel ging. Auf dem Weg dorthin, machte mir der Fahrer ein Angebot: ich müsste für die ganze Fahrt plus die Zeit, die er vor dem Post-Office auf mich gewartet hatte (immerhin mehr als eine Stunde) nur 100 Rs zahlen – eigentliche ein Geschenk. Doch dafür müsste ich mich von ihm zu 3 Shops fahren lassen. Er versicherte mir, dass ich nichts kaufen müsse. Nur 10 Minuten interessiert herumschauen, den dann bekäme der dafür, dass er mich zu dem Shop gefahren hatte, eine Provision vom Besitzer des Shops. Ich willigte ein, denn es versprach ganz lustig zu werden.

Ich besuchte Porzellanläden, Textilhändler und Schmuckgeschäfte, doch nirgends blieb ich länger als 10 Minuten. Und während ich herumging, verschwand mein Fahrer in ein Hinterzimmer, bekam dort sein Geld + meist noch einen Tee und eine Zigarette. Damit hatten wir beide von diesem kleinen Umweg ins Hotel profitierte.

Am nächsten Tag fuhr ich dann vom Idgha Bus Stand in Agra mit einem der normalen Busse zum 3. Weltkulturerbe in Agra: nach Fathepur Sikri, einer ehemaligen Palastanlage und dazugehöriger Moschee. Nachdem ich mir auf dem riesigen Platz in der Mitte der Moschee ein paar mal beinahe meine Füße verbrannt hatte und einige lästige Händler abgewimmeln konnte, fand ich doch noch einen netten Platz, um as Freitagsgebet beobachten zu können. Obwohl die Moschee frei ist, muss man für den Palast Eintritt bezahlen. Erneut gibt es große Unterschiede beim Eintritt zwischen Indern (10 Rs) und Ausländern (250 Rs) – aber mit dem habe ich mich schon lange abgefunden.

Bei der Heimfahrt muss man einen der vorbeifahrenden Buss anhalten, denn eine echte Haltestelle gibt es dort nicht. Den einen Bus hätte ich knapp verpasst und auf den anderen hätte ich eine halbe Stunde warten müssen, doch ich fand einen privaten Minibus, der ebenfalls zum Idgha Bus Stand fuhr, sobald sich genug Fahrgäste gefunden hatten. Ich saß hinten auf der Ladefläche, als jener Inder, der die Tickets für den Bus verkaufte, mich wild gestikulierend dazu aufforderte, auszusteigen. Zuerst weigerte ich mich, und auch die anderen Inder schienen die Situation nicht zu verstehen. Auf alle meine Fragen entgegneter er mir nur ein kurzes „No!“, kombiniert mit einem Kopfschütteln. Ein bisschen genervt stieg ich aus.

Es waren noch 2 Plätze frei gewesen, und der Ticketverkäufer bot einen der Plätze einem Inder mit dem Namen Raju an. Dieser hatte die Situation vom vorhin beobachtet und verweigerte das Angebot. Dann wandte er sich zu mir und meinte, dass wir gemeinsam auf den nächsten Bus nach Agra warten. Der Ticketverkäufer war nun selbst verwirrt, und suchte weiterhin nach 2 weiteren Fahrgästen. Nachdem er keine finden konnte, bot er erneut Raju den Platz an. Danach folgte eine Disskusion. Blicke fielen auf mich und Handbewegungen wurden in meine Richtung gemacht. Plötzlich durfte ich dann doch mitfahren.

Im Anschluss fragte ich Raju, was er denn zum Ticketverkäufer gesagt hatte, doch er lachte nur und blickte aus dm Fenster. Dann fügte er noch hinzu:

You are my guest in this country, so I have to take care for you

Damit war mehr gesagt, als notwendig gewesen wäre.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s