Orcha – Fieberkampf statt Tempelrun

Für Orcha habe ich mich entschieden, denn ich wollte etwas wegkommen von den Touristenmassen, ehe es ins „Goldene Dreieck“ (Anm.: Delhi-Agra-Jaipur) und damit ins Epizentrum des Tourismus in Indien geht. Für einen Tag wollte ich durch die Jahrhunderte alten Ruinen der Paläste und Tempel wandern, und ein wenig vor mich hinträumen. Doch es kam wieder einmal alles anders.

Montag, 04:00 Uhr: ich wache auf, denn irgendetwas stimmt nicht. Ich eile ins Bad, und ja man kann es sich schon denken: etwas stimmte wirklich nicht mit mir. „Naja, sowas passiert eben in Indien“, denke ich mir und lege mich wieder hin.

Montag, 07:00 Uhr: ich werde erneut munter. Diesmal sind es Magenschmerzen und eine Kälte, die mich zum zittern bringt. Im Zimmer hat es bestimmt 25 Grad, doch ich fühle mich wie in Sibirien ausgesetzt. Langsam dämmert mir, dass es wohl mehr ist, als eine kleine Verdauungsunstimmigkeit. Ich messe Fieber: 38,8 Grad. Verdammt, ich bin krank.

Auch wenn man versucht, nicht auf diese leise Stimme im Hinterkopf zu hören, die einem zum Nachdenken bringt hört man sie trotzdem: „Was ist, wenn es Malaria ist?“ Ab diesem Zeitpunkt beginne ich, mir zu überlegen, was wäre, wenn diese Stimme recht hat. Immerhin war ich ja in Bangladesch, und wurde in den letzten Wochen oft genug von Mosquitos gestochen.

Montag, 10:00 Uhr: Schluss! Aus! Ich will nicht mehr! Ich rufe meinen Hotelmanager. Ich brauche einen Arzt, und zwar schnell! Immerhin war das Fieber bereits jenseits der 39 Grad.

Montag, 10:15 Uhr: Ein Inder in Jeans und Hemd steht vor mir. Irgendwie hatte ich mir meinen Arzt anders vorgestellt. Was solls, solang er mir hilft. Er gibt mir 4 verschiedene Medikamente, die ich 2x am Tag nehmen soll. „In 2 hours you will feel better.“ Ich muss grinsen. Der Zweifel in mir ist groß. Ich frage ihn nach Malaria. „Don’t worry“ meint er nur. 450 Rupien möchte er für alles zusammen haben. Billig für meine baldigen Besserung. Ich frage nach einer Rechnung, die ich aber nicht bekomme. Mir ist alles egal. Ich will nur schlafen. Ich nehme die Medikamente und falle in einen unruhigen Schlaf.

Montag, gegen 13:00 Uhr: wieder wache ich auf. Alles ist nass. Ich schwitze und ich habe Durst. Ich nehme einen Schluck aus der Flasche. Leer. Na toll. Irgendwie zwinge ich mich aufzustehen und gehe vor die Tür. Grelles Licht blendet mich. Es tut weh. Ich kneife die Augen zusammen. Nur wenige Schritte bis zum Wasserverkäufer, das muss gehen. Dort angekommen verlange ich nur nach Wasser. „Yalla!“ rufe ich ihm hinterher. Er scheint mich zu verstehen, denn er wirkt beleidigt. Gut, immerhin ist er schnell zurück. Langsam wird alles um mich herum unscharf.
Am Weg zurück hätte ich beinahe den Eingang zu meinem Hotel nicht gefunden (Anm.: ich war keine 10 Meter weit gegangen). Ich fühle mich schrecklich.
Zurück am Zimmer fühle ich mich wie nach einem Marathon.

Montag, 19:00 Uhr: ich bin immer noch weit entfernt, mich gut zu fühlen, doch immerhin zeigt das Termometer nur mehr 37,5 Grad. Ich schlafe die Nacht durch.

Dienstag, 07:00 Uhr: es geht mir besser, aber noch nicht gut genug. Ich sollte mein Zugticket für diesen Tag nach Agra stornierten. Ich will nicht. Soll es doch verfallen. Die 2,5€ die ich dabei verliere sind mir zu diesem Zeitpunkt herzlich egal. Erneut muss ich Wasser kaufen. Erneut fühle ich mich danach müde.

Dienstag, 17:00 Uhr: ich habe wieder Normaltemperatur, doch mir ist sterbenslangweilig. Meine Sachen sind total durchgeschwitzt, genau so wie mein Schlafsack und mein Betttuch. Alles riecht unangenehm. Es ist mir egal.

Mittwoch, 07:30 Uhr: ich bin seit über 24 Stunden fieberfrei und fühle mich zu 80% wie immer. Ich mache mich auf, den Palast zu sehen. Irgendetwas in mir zwingt mich dazu. Ich möchte nichts verpassen. Mit Sonnenbrille (denn die Sonne tut immer noch weh) und viel Wasser geht es los. Alles geht gut, dennoch brauche ich einige Pausen.

Samstag, 20:00 Uhr: ich bin seit 5 Tagen fieberfrei, damit bin ich über dem Vermehrungszyklus der Malariaerreger. Noch einmal Glück gehabt.

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