Khajuraho – Unterwegs auf 2 Rädern

Das muss gleich ganz am Anfang erwaehnt werden: der Zug von Varanasi nach Khajuraho war (und wird es vermutlich bis zum Ende meiner Reise auch bleiben) der einzige Zug ueberhaupt in Indien, der planmaessig an seinem Ziel angekommen war. Nein, noch besser. Er war sogar 10 Minuten zu frueh. Unglaublich, aber wahr.

Khajuraho selbst ist eine recht kleine Stadt (etwa 20.000 Einwohner) die sich vor allem in 2 Teile gliedern laesst: Old Khajuraho, wo die meisten Leute leben, und den Bereich um den westlichen Tempelbezirk, wo sich die Touristen, und jene, die davon leben, tummeln.

Nachdem ich bis dato den grossen Touristenmassen entgangen war (selbst in Varanasi hielten sich diese in Grenzen) hat mich hier mein Erzfeind eingeholt: Reisegruppen. Wobei, dazu gibt es ja noch eine Steigerung, wie ich feststellen konnte: indische Reisegruppen! Die stehen immer moeglichst nach an den Dingen, die ich mir ansehen moechte, und ins Foto laufen sie sowieso gnadenlos.

Nunja, da war ich also endlich, am Touristenpfad Indiens, und ich wusste, dass ich ihn bis zu meiner Abreise auch nicht mehr allzu oft verlassen wuerde, vor allem nicht in Khajuraho. Dabei sollte ich mich aber gehoerig irren.

Die Tempel, die innerhalb der Absperrung liegen, und damit kostenpflichtig sind (und man dabei sogar eine sehr strenge Sicherheitskontrolle durchlaufen muss, bei der mir sogar mein Taschenmesser bis zu meiner Rueckkehr abgenommen wurde) sind sehr gut erhalten bzw. restauriert worden. Ich war dann auch sehr froh, als ich einen schattigen Platz fand, von dem aus ich die anderen Touristen beobachten konnte, wie sie hektisch durch die Tempel liefen, und ich mir bewusst wurde, dass es schon angenehm ist, so viel Zeit zu haben wie ich.

Nachdem ich dann am Nachmittag (wie schon so oft) von einem jungen Inder angeredet wurde, dachte ich eigentlich, dass er mir nur wieder seinen Shop zeigen wollte. Doch er hatte nichts dergleichen im Sinn, und als noch einer seiner Freunde auf dem Motorrad dazukam, wurde ich kurzerhand zum Teetrinken eingeladen.

Am naechsten Tag, also dem 15. August, stand der Unabhaengigkeitstag Indiens an, und die beiden meinten, ob wir nicht in der Frueh ein bisschen durch die Stadt fahren wollten, um uns in den Schulen die Feierlihkeiten anzusehen. Klar, dachte ich mir, und stimmte zu.

Wir besuchten 3 verschiedene Schulen, und sahen uns dort die Taenze und Flaggenparaden an, und glaubt mir, Inder lieben Taenze und Flaggenparaden! Nachdem wir auch noch ein paar der Suessigkeiten gegessen hatten, die ueberall verteilt wurden, fuhren wir zu einem nahen Stausee und verbrachten dort die Mittagszeit, denn selbst am Motorrad war es viel zu heiss.

Am Abend fuhren wir an den Rand von Khajuraho, denn wir wollten in einem der Farmhaeuser (wobei das mehr eine Ziegelhuette war) kochen. Davor zeigten sie mir jedoch noch, wie die Einheimischen hier Fische fangen, naemlich mit Strom. Was bei uns wohl verboten ist, ist fuer die Leute hier eine einfache Methode an Essen zu kommen (jedoch bin ich mir sicher, dass bei der Art und Weise wie sie dabei vorgehen schon oefters jemand einen Schlag bekommt).

Wir schickten einen der Bauernkinder los, um die noetigen Sachen einzukaufen, die dann einer der Bauern spaeter fuer uns und einige andere zubereitete. Zum Essen wurde mir dann selbstgemachter „Wein“ angeboten, und nach dem ersten Schluck war ich mir sicher: das war alles andere als Wein. Es schmeckte eher wie eine Mischung aus billigem Whisky und Sake, und ich war mir auch sicher, dass man von diesem Fusel sicher blind wird (auch wenn das nicht ganz ernstgemeint war). Ich trank dann lieber die Milch, die unser Koch wenige Minuten zuvor gemolken hatte, und blieb schlussendlich beim Tee.

Am naechsten Tag wollten sich die beiden schon wieder in aller Frueh mit mir treffen, doch ich schaffte es irgendwie, unser Treffen auf den fruehen Nachmittag zu verschieben. Diesmal blieb es beim Teetrinken und einer Fahrt zu den Wasserfaellen.

Ich bin ganz froh, die beiden Inder getroffen zu haben, denn gerade in einer Stadt, die so stark vom Tourismus lebt, ist es interessant zu sehen, wie diejenigen leben, die nichts damit zu tun haben. Dies waere mir ohne den beiden wohl nicht moeglich gewesen.

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