Srimongol – Abenteuer im Grünen

Nachdem Keiko zurück nach Tokio geflogen war, machten Christopher und ich uns Gedanken darüber, wo wir unsere letzten Tage in Bangladesch verbringen könnten, denn Dhaka war ganz sicher keine Option. Eine Möglichkeit wäre entweder Bogra und seine UNESCO Kulturerberuinen gewesen, oder Srimongol in Bangladeschs grünem Nordosten. Um unseren Abenteuerurlaub in Bangladesch würdig abzurunden, entschieden wir uns eben für Srimongol.

Unser Zugticket hatten wir aufgrund der Probleme, die wir schon hatten, 4 Tage im vorhinein besorgt, nur um sicher zu gehen. Genau aus dem selben Grund war unser erster Weg, nachdem wir mitten in der Nacht am Bahnhof in Srimongol ankamen, nicht ins Guesthouse, sondern zuerst zum Ticketschalter, um unser Rückfahrticket so kaufen.

Wir landeten, so wie jeder andere Tourist wahrscheinlich auch, im Tea Town Guesthouse (dies ist vermutlich einer der besten Orte in ganz Bangladesch, um einen weißen Touristen zu treffen). Einen wirklichen Plan hatten wir anfangs nicht, was wir genau machen wollten, und als wir von den „Hum-Hum Wasserfällen“ im Lonely Planet lasen, fanden wir zuerst einfach, dass das ein lächerlicher Name wäre. Ende.
Doch später beschlossen wir, dass wir einen Tag ruhig damit verbringen könnten, zu den erst 2009 entdeckten Wasserfällen zu trekken.

Da wir aber nicht alleine losziehen wollten, suchten wir nach einem Guide, der auch einen fairen Preis anbot. Doch wie es so oft ist, fanden nicht wir den Guide, sondern er uns. Er erschien uns sehr freundlich, und für einen Tagestrip 1500 Taka/Person zu verlangen (+ CNG/Tuk Tuk, dass uns an den Rand des Nationalparks brachte), war akzeptable.

Am nächsten Tag packten wir unsere Sachen und fuhren gegen 08:00 Richtung Südosten. Dass wir am besten Weg dazu waren, jegliche Zivilisation hinter uns zu lassen, merkten wir spätestens dann, als wir aus unserem CNG aussteigen mussten, weil wir sonst zu schwer für die tiefen Schlaglöcher gewesen wären, die der Regen ausgewaschen hatte. Endlich angekommen, wurden wir von Kindern belagert, die uns für 5 Taka Wanderstöcke aus Bambus verkaufen wollten. Eine gute Investition.
Anschließen ging es über improvisierte Brücken, ausgetretene Hänge und matschige Pisten, mal rauf, mal runter, durch den Wald, immer näher Richtung indischer Grenze. Das letzte Stück der Strecke kann nur in einem Flussbett zurückgelegt werden. Der erste Schritt dabei ist der schlimmste.

Platsch. Und schon steht man über den Knöchel tief im Wasser. Eigentlich egal, denn man war vom Schweiß sowieso schon klatschnass. Als wir dann endlich die Wasserfälle erreichten, waren wir froh, dass wir sie (zumindest für den Anfang) komplett für uns alleine hatten. Nachdem wir uns ein bisschen im Wasser abgekühlt hatten, selbstverständlich in voller Montur, erzählte unser Guide uns von einem kleinen Pfad, aufdem man den Wasserfall besteigen konnte. Natürlich wollten wir das auch machen, auch wenn der Anblick von unten bei weitem besser ist als von oben. Weiter konnten wir nicht gehen, denn wir waren 500 m vor der indischen Grenze, und auf der anderen Seite warteten Soldaten nur darauf, das jemand versucht, die Grenze unerlaubt zu überqueren.

Am nächsten Tag mieteten wir uns dann ein Fahrrad, um die Gegend um Srimongol, die voll ist mit Tee- und Reisfeldern, zu erkunden. Die Räder, die anfangs einen guten Eindruck machten, sollten jedoch schon bald zum größten Hindernis unserer Tour werden. Bei beiden unserer Räder lockerte sich schon nach wenigen Kilometern der Sitz, und man fühlte sich wie auf einer Wippe. Reparatur ausgeschlossen, denn dazu hätte es Werkzeug benötigt. Auch die Kette von Christophers Rad spielte bei höheren Geschwindigkeiten nicht mit, und verabschiedete sich im er wieder.

Das unendliche Grün der Felder und das Gefühl, sich nicht mehr in Bangladesch aufzuhalten, glichen den immer stärker werdenden Schmerz, den uns die billigen Fahrradsitze zufügten, gebührend aus. Am Ende merkten wir jedoch, dass die Strecke, die wir gewählt hatten, zu weit gewesen ist, und wir einfach nicht mehr wollten. Daher hielten wir eines der Sammeltaxis an, legten die Räder aufs Dach, und fuhren die Strecke zurück nach Srimongol, denn wir wollten noch den (angeblich) weltberühmten 7-Schichten-Tee probieren, den ein Mann hier aus der Gegegnd erfunden hatte. Und tatsächlich der Tee hatte
7 deutlich erkennbare Schichten, auch wenn er eindeutig zu süß gewesen ist.

Am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen von jener Region, die mir in Bangladesch am besten gefallen hatte, und es ging zurück nach Dhaka.

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