Bangladesch – Ein Fazit

Als sich der Gedanke, nach Bangladesch zu reisen, langsam in meinem Kopf festsetzte, wusste ich noch nicht, was dabei auf mich zukommen sollte. Als ich von Kalkutta aus nach Dhaka flog, habe ich das erste mal wirklich darueber nachgedacht, was es denn bedeuten koennte, in eines der am wenigsten bereisten Laender der Erde zu fliegen. Eine wirkliche Vorstellung konnte ich mir dennoch nicht machen. Zwar hatte ich zuvor schon jeden auffindbaren Blog (und glaubt mir, es gibt nicht viele davon) von Backpackern im Internet gelesen, doch selbst durch dieses Land zu reisen, ist dann etwas ganz anderes.

Zum ersten Mal bemerkt habe ich das, als ich am Abend meines ersten Tages auf der Suche nach Essen war. Irgendetwas war anders. Als Tourist faellt man meist sowieso auf, doch hier stach man aus der Menge wie ein bunter Hund. Doch man wurde nicht als potentielles Opfer gesehen, dem man ein T-Shirt oder eine ueberteuerte Tuk-Tuk Fahrt verkaufen konnte, sondern ich erlebte echtes Interesse an meiner Person, auch wenn die meisten Fragen der Einheimischen nicht ueber die Basics hinausgingen.

Als dann wenige Zeit spaeter noch Christopher und Keiko dazustiessen, waren wir sowieso die Hauptsensation inDhaka.

3 (!!!) Auslaender aus 3 verschiedenen Staaten in diesem Land. Ruhe bekamen wir ab diesem Zeitpunkt so gut wie keine mehr. Doch wie bereits gesagt, das Interesse der meisten ist nicht vorgetaeuscht, sondern echt. Ich lernte die Bangladeschi als ueberaus neugieriges, hilfsbereites und gastfreundliches Volk kennen. Auch wenn viele in Dhaka lebende Personen uns gegenueber ihre Sicherheitsbedenken kundgetan hatten, bin ich mir nach wie vor sicher, dass keiner Hand an einen Auslaender legen wuerde, von wirklichen Gewalttaten ganz zu schweigen, denn dafuer sind ueberall einfach zu viele Menschen auf der Strasse, selbst nachts.

Auch wenn wir durch das Eid-Festival das extreme Ausmass des mangelhaften oeffentlichen Verkehrsnetzes zu spueren bekommen haben, denke ich nicht, dass die Situation an normalen Tagen anders ist. Es mangelt, was die Infrastruktur angeht, an allen Ecken und Enden, was das Reisen natuerlich erheblich erschwert. Auch die Tatsache, dass Religion und Staat nicht getrennt sind, bedeutet, dass an Feiertagen eben keine, oder hoechstens 1 Zug pro Strecke verkehrt, und das bei 160 Millionen Einwohnern.

Nichts desto trotz wuerde ich das Erlebte nicht eintauschen wollen. Es ist einfach wahnsinnig spannend, sich jeden Tag aufs neue aufzurappeln und auf die Strasse zu gehen, auch wenn man weiss, dass dort das Chaos wartet. Dafuer ist man immerhin nach Bangladesch gekommen. Es gibt hier keine weltberuehmten Sehenswuerdigkeiten wie in Indien, keine ueberwaeltigende Natur wie in Nepal oder wunderschoene Straende wie in Thailand. Nein, dieses Land glaenzt durch seine Einwohner, und die Unverdorbenheit, die die touristische Unberuehrtheit mit sich bringt. Sich durch das Chaos von Dhakas Altstadt zu schieben, gehoert mitunter zu den aufregensten Momenten meiner Reisen ueberhaupt.

Man sollte sich nicht von der Negativpresse oder den Aussagen des Aussenministeriums davon abhalten lassen, dieses einzigartige Land, das auch viele ruhige Ecken hat, zu bereisen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s