Mongla – Tigerjagd in den Sunderbans

Irgendwie komme ich mir bereits vor wie das verrückte weiße Kanninchen aus Alice im Wunderland, das immer auf seine Uhr schaut, und dabei ruft „Zu spät, zu spät, ich bin zu spät!“, denn ich hänge mit meinen Einträgen etwas hinterher. Eigentlich bin ich schon wieder zurück in Indien, doch es gibt noch einiges über Bangladesch zu schreiben, deshalb muss ich mich ranhalten.

Nachdem wir die Strecke Hularhat-Mongla sehr abendteuerlich zurückgelegt hatten, erreichten wir am Abend Mongla, ein kleines Dorf, welches zeitgleich auch der letzte Ort vor den Mangrovenwäldern im Süden ist. Aus nostalgischen Gründen checkten wir für eine Nacht im „Hotel Bangkok“ ein; länger dort zu bleiben wäre auch keine gute Idee gewesen (wobei der Anblick, als eine ziemlich große Kakerlake über Christophers Fuß huschte, und kurz darauf unter seinem Bett verschwand auf jedenfall den Aufenthalt dort wert war).

Unser Plan war eigentlich, einen der Bootsführer für einen Tag anzuheuern, der uns dann in den Nationalpark bringen sollte. Doch kaum steigt man in Mongla aus, wird man schon von Schleppern belagert, die versuchen, einem ihrer Touren zu verkaufen. Wir lehnten alle Angebote ab, und fanden uns am Ende doch wieder in einem Reisebüro wieder. Da wir leider nur einen Tag Zeit hatten, buchten wir eine Tour, die uns nicht allzuweit in die Wälder führte. Für 3500 Taka/Person bekamen wir ein Boot, einen Guide und alle nötigen Permits, damit wir den Nationalpark überhaupt betreten durften.

Um 07:00 Uhr ging es dann los. Das Boot war geräumig und hatte auch ein Sonnendach (oder besser gesagt Regendach, denn das war es, was wir an diesem Tag brauchten). Einziges Problem: der Wind hatte das Dach schon bald aus seiner Verankerung gerissen, weshalb wir dann eben ohne weiterfuhren. 3 Stunden lang ging es dann auf dem Fluss entlang der Wälder Richtung Süden zu unserer ersten Station. Regen und Sonne wechselten sich ab, was auch einen ständigen Wechsel zwischen Unterdeck und Oberdeck bedeutete. Am Waldrand konnten wir Affen sehen, die es sich in den Baumkronen gemütlich gemacht hatten. Auch Flussdelfine kreuzten unseren Weg.

Als wie dann den Ausgangspunkt für einen Spaziergang in den Wald erreicht hatten, wurde uns noch eine Wache zur Seite gestellt, die uns im Notfall vor den hier lebenden Tigern schützen sollte. Ausgerüstete mit einer Flinte, mit der man schon den Ersten Weltkrieg verloren hätte, ging unsere Wache dann voran, und wir folgten. Das Folgen erwies sich aber als schwieriger als gedacht, denn auf dem nassen Untergrund verloren wir öfters den Halt, während unser Aufpasser mit seinen ausgetretenen Latschen ohne Probleme den Weg zurücklegte. Aufgrund des Regens hatten sich die meisten hier lebenden Tiere versteckt, dafür kamen unzählige Krabben und Schlammfische hervor, und tummelten sich auf beiden Seiten des Weges.

Ach ja Regen: der hatte uns dann auch noch erwischt, doch zum Glück waren wir in der Nähe eines kleinen Pavillons inmitten eines kleinen Sees, denn wenn wir draußen gewesen wären, wäre ALLES nass gewesen. Nachdem der Regen nachgelassen hatte, ging es zurück aufs Boot.

Am Weg nach Mongla hielten wir noch in einem kleinen Fischerdorf, das auf einer Insel im Fluss lag. Wir wurden freundlich begrüsst, wobei ich denke, dass hier sicher öfters Touristen vorbeikommen. Genau deshalb überraschte es mich auch, dass hier niemand um eine Spende oder dergleichen gefragt hat. Man zeigte uns, wie hier gefischt wird, Boote gebaut werden, und ein freundlicher älterer Mann bot uns zum Schluss noch Chilis aus seinem kleinen Garten an, die es doch ziemlich in sich hatten. Da wir nicht mehr Zeit hatten, fuhren wir im Anschluss zurück nach Mongla, von woaus wir uns auf den Weg zurück nach Dhaka machten.

Da es keinen direkten Bus von Mongla nach Dhaka gibt, mussten wir in Khulna umsteigen, wo wir doch tatsächlich ein kleines Eisgeschäft gefunden hatten, und uns natürlich sofort eines gönnten. Im Endeffekt stellte es sich als gute Entscheidung heraus, den Nachtbus zu nehmen, denn wir warteten etwa 4 Stunden darauf, dass unser Bus mit einer Fähre den Fluss überqueren konnte. Andererseits war dies auch jene Fahrt, bei der es schon an ein Wunder grenzt, dass wir ohne Unfall angekommen waren, denn so wie der Fahrer durch die Nacht bretterte, und dabei von Überholmaövern nicht zurückschreckte, können wir nur froh sein, Dhaka überhaupt erreicht zu haben. Zu allem Überfluss bremste er vor Bodenschwellen nur soweit ab, dass er keinen Achsenbruch erlitt, was für uns in der letzten Reihe bedeutete, dass wir die Hälfte der Fahrt keinen Kontakt zu unseren Sitzen hatten.

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