Dhaka/Hularhat/Bagerhat – Flussabwaerts mit dem Rocket Steamer

Es war schon ein kleines Wunder, dass wir nach all den Anstrengungen, Tickets fuer den Zug oder Bus zu bekommen, ohne weiteres 3 Tickets fuer den Rocket Steamer (ein uralter Raddampfer, den die Briten zurueckgelassen hatten) organisieren konnten. Nun gut, „ohne weiteres“ ist vielleicht uebertrieben, denn das Ticketoffice war gut versteckt, und zwar in einem Gebaeude, dass von aussen gerade einmal mit einem kleinen Schild auf Bengal gekennzeichnet war.

So weit so gut, also ging es am 01.08. zum Hafen von Dhaka. Ach ja, habe ich schon erwaehnt, dass unsere Gruppe inzwischen auf 3 Personen angewachsen war? Ich weiss es nicht, und das Internet ist auch zu langsam, um meine aelteren Blogs jetzt zu oeffnen. Auf jeden Fall war eine gute Freundin von Chrisopher, Keiko, aus Tokio fuer ein paar Tage nach Bangladesch gekommen.

Wir konnten leider keine 1.-Klasse-Tickets mehr bekommen, doch das war nicht weiter schlimm, denn als Auslaender durften wir ebenfalls den „Speisesaal“ der 1. Klasse sowie die Aussichtsplattform am Bug des Schiffes benutzen (und dennoch bezahlten wir nur die Haelfte der 1. Klasse Tickets). Die 2. Klasse ist ebenfalls sehr gemuetlich, und durch den „Auslaenderbonus“ gab es eigentlich keinen Unterschied zur 1. Klasse. Die 3. Klasse hingegen ist tatsaechlich die Holzklasse, das heisst auch, dass man hier am Boden schlaeft, und man am besten als erster aufs Schiff geht, um sich mit Decken und Zeitungspapier die besten Plaetze reserviert.

Die Fahrt raus aus dem hektischen Dhaka ist gleichzeitig auch eine kleine Zeitreise, denn in gewisser Weise kann man sich schon vorstellen, wie die weissen Kolonialherren die selbe Strecke vor 80 Jahren zuruecklegten. Waehrend die meisten Menschen hier die schnelleren und viel neueren Faehren bevorzugen, gilt der Rocket Steamer wohl eher als Notfallplan, wenn man fuer die anderen Boote keine Tickets mehr bekommt.

Als langsam die Sonne hinter uns unterging, schipperten wir flussabwaerts in die Nacht und damit Richtung Sueden. Waehrend die Landschafft langsam an uns vorbeizog, wurden wir auch von einem Bengalen, der die Strecke oeffters mit diesem Schiff zuruecklegte, zum Tee eingeladen. Es stellte sich heraus, dass er gerne redete. Und wenn ich das so sage, dann meine ich, dass er sich gerne selber reden hoert. Zwar werden auch von ihm Fragen gestellte, doch dauerte die Antwort laenger als 2 Saetze, hakt er schon wieder ein, und setzte seinen Monolog fort. Es stellte sich auch heraus, dass er anscheinend ziemlich bekannt und auch einflussreich ist, obwohl ich zuerst dachte, dass er damit eher angeben wollte. Doch spaetestens als wir ihn als Werbefigur auf den Plakaten des groessten Mobilfunkanbieters in Bangladesch wiedererkannten, wussten wir, dass zumindest das die Wahrheit gewesen war.

Zu meiner grossen Ueberraschung waren wir nicht die einzigen Auslaender an Board. 2 Studentinnen aus Deutschland, 2 Australier und eine Japanerin waren ebenfalls auf dieser Fahrt mit dabei.

Um 05:00 hiess es dann aufstehen, denn wir wollten uns nicht den Sonnenaufgang entegehn lassen.

Nachdem wir gegen 10:00 Hulerhat erreicht hatten, wurden wir noch von einem Arzt in sein Privatkrankenhaus eingeladen, und nachdem sowohl Keiko als auch Christopher Mediziner sind, konnten wir nicht nein dazu sagen.

Wir wurden wie die Koenige empfangen, und bekamen auch eine Fuehrung durch das Krankenhaus. Was ich davon hielt? Um ehrlich zu sein, kann ich nur Folgendes dazu sagen: sollte ich hier ernsthafte medizinische Versorgung benoetigen, waere es wahrscheinlich das Beste, sofort nach Bangkok zu fliegen, denn hier kann ich mich nicht darauf verlassen, bei einer Operation nicht noch weitere Infektionen zu bekommen. Allein schon die Tatsache, dass wir ohne Probleme in den OP gehen durften, es hier keine entsprechenden Wasch- und Desinfektionsanlagen gibt, und ganz nebenbei auch noch eine Ameisenstrasse in den Operationssaal fuehrt, sollten als Erklaerung ausreichen.

Nachdem wir dann unsere Reise fortsetzten, ging es mit dem Bus von Hulerhat ueber einen Zwischenstopp in Bagerhat – UNESCO Weltkulturerbe – nach Mongla.

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