Chittagong/Dhaka – Ship Breaking Yard und andere Kurzgeschichten

Ja, in den letzten Tagen war ich etwas nachlässig mit dem bloggen, doch seitdem Christopher in Dhaka angekommen ist, finde ich hierfür weniger Zeit. Da ich über vieles der letzten Tage schreiben könnte, aber davon kein Ereignis wirklich in den Vordergrund getreten ist, gibt es diesmal eben mehrere kurze Texte für euch, die jedoch nicht unbedingt zusammenhängend oder chronologisch sind:

Ifter-Feier mit Couchsurfern

Da wir ja zur Zeit des Fastenmonats Ramadan nach Dhaka gekommen waren, erlebten wir eben auch mit, dass es in einem muslimischen Land doch manchmal schwierig sein kann, etwas zu essen zu finden, vor allem dann, wenn es den Gläubigen (und das sind hier eben doch sehr viele) eigentlich verboten ist. Für diesen Fall gibt es dann kleine Restaurants mit großen Tüchern vor den Eingängen und meist einen seperaten Raum, in dem dann eben Ausländer, Hindus und die weniger gläubigen Moslem auch am Tag essen können.
Christopher hatte schon im Voraus ein Treffen mit einer Couchsurferin vereinbart, die im Norden (und damit teuersten) Viertel von Dhaka wohnte. Sie lud uns auch zum traditionellen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang ein. Während sich ihre Eltern nicht zum Essen blicken ließen, wurden uns immer mehr und mehr traditionelle Speisen aufgetischt. Wer am Ende hungrig vom Tisch aufstand, war selber schuld.
Die ein oder andere Aussage von ihr verwunderte mich dann doch, denn obwohl sie ihr ganzes Leben in Dhaka verbracht hatte, wusste sie beispielsweise nicht, dass viele der Straßenkinder Klebstoff schnüffelten, um einerseits high zu werden, und andererseits das Hungergefühl zu unterdrücken (leider sieht man das hier auf den Straßen zu oft).
Auch fragte sie uns, wie man nur freiwillig in Gulistan (dem belebtesten und vermutlichen nicht lebenswertesten Stadtteil nahe des Zentrums) unterkommen konnte. Wir lächelten, denn für uns war es genau der Ort, an dem wir sein wollten, denn genau so hatten wir uns Dhaka vorgestellt.

Kleine Bootsfahrt am Fluss

Nach Dhaka kommt niemand, um eine Liste von Sehenswürdigkeiten abzuhaken, und sollte man dennoch mit dieser Vorstellung hierher kommen, wird man ziemlich sicher enttäuscht werden. Viel interessanter ist es, die Leute und das alltägliche Chaos von weitem zu beobachten. Auch ganz nett kann es sein, wenn man einen der Bootsführer (Boot ist wohl übertrieben; sagen wir eben Nussschale) zu sich winkt und ihm irgendwie klarmacht, dass man ein bisschen Flussaufwärts fahren möchte. Es war der letzte Tag vor dem Eid-Fest (Fest am Ende des Ramadan), und jeder in ganz Dhaka versuchte, zu seinen Familien aufs Land zu kommen – und das eben auch mit Fähren. Von den Anlegestellen drängten sich alle paar Minuten große Fähren (die meisten bis auch den letzten Platz und darüber hinaus gefüllt waren) in alle Richtungen. Es war schon faszinierend in einem so kleinen Boot mitten in diesen Trubel hineinzufahren.

Not abailable

Wie schon gerade gesagt, war derzeit Ausnahmezustand in Dhaka, und so ziemlich jedes Verkehrsmittel war überfüllt oder ausgebucht. Dennoch haben wir es versucht, ein Zugticket nach Chittagong zu bekommen. Am Bahnhof dann gleich der erste Dämpfer: Menschen, viele Menschen. Und alle standen sie um ein Ticket an. Nach einigem Hin und Her, und bis wir wussten, an welchem Schalter welche Tickets verkauft wurden, hatte sich dir Lage weiterhin nicht verbessert. Endlich an der Reihe erfuhren wir dann, dass alle Züge nach Chittsgong voll sind, und es nicht möglich sei, für heute Abend noch ein Ticket zu bekommen. Frust kam auf, denn unser Zeitplan war sowieso schon knapp, und nun wurde er noch knapper. Am Ende entschieden wir uns dann für einen Nachtbus nach Chittsgong, den wir eigentlich vermeiden wollten, denn die Strecke gilt nicht unbedingt als die einfachste oder gar beste.

Naja so schafften wir es dann doch nach Chittagong, wo wir uns gleich zum Bahnhof aufmachten, um unser Rückfahrtickets so besorgen. Erneut Menschenschlangen vor den völlig überforderten Ticketschaltern. Erneut warten. Erneut Frust. Zu allem Überfluss sagte man uns dann auch, dass wir um 17:00 wiederkommen sollen, dann gibt es vielleicht Tickets für den Schneckenzug, der in jeder Ortschaft hält.
Gut, um 17:00 waren wir eben wieder am Bahnhof, und als der Ticketschalter dann um 18:00 öffnete, hieß es, es gäbe auch keine Tickets für die Rückfahrt, doch wir sollen mit dem Stationsmanager reden, der könne uns vielleicht welche besorgen, weil wir Ausländer sind. Nach 1 Stunde vor seinem verschlossenem Büro gaben wir auf, und holten uns erneut ein Busticket.

Ship-Breaking-Yards in Chittagong

Es war eigentlich der Hauptgrund für unsere Fahrt nach Chittagong, und eigentlich ist es keine Touristenattraktion sondern genau das Gegenteil.

Einige Kilometer außerhalb von Chittagong liegen dutzende Schiffe vor Anker, und warten darauf, von unzähligen Arbeitern auseinandergenommen zu werden. Es ist einer der größten Schiffsfriedhöfe der Welt, und viele Reisende haben davon berichtet, dass sie mit etwas Schmiergeld Zutritt dazu bekommen hätten. Auch wir versuchten unser Glück, und klopften an die Tore der verschiedenen Firmen, die sich am Strand angesiedelt hatten. Einige der Sicherheitsbeamten schienen durchaus an einer kleinen Transaktion interessiert zu sein, doch in 2 Fällen, in denen ich ein gutes Gefühl hatte, endlich hineingelassen zu werden, tauchte kurz zuvor einer der Betriebsleiter auf, und meinte, dass er uns nicht hineinlassen könne. Natürlich wäre es ein Hit gewesen, sich alles aus der Nähe ansehen zu können, doch uns blieb immerhin noch der Gang über einen sehr langen Steg, der ins Meer führte, und von einigen verschlafenen Fischern bewohnt wurde. Von dessen Ende aus hatte man einen sehr guten Überblick auf das Ausmaß, dass diese Industrie hatte: bis an den Horizonz reihten sich riesige Frachter aneinander, alle in unterschiedlichen Stadien der Zerlegung. So etwas würde es vermutlich in Europa nie geben.
Doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt: zwar wurden vor jedem Eingangstor die guten Sicherheits- und Arbeitsbedingungen versichert, und auch die strenge Ablehnung von Kinderarbeit kundgetan, doch die strengen Sicherheitskontrollen, die Tatsache, überhaupt mit solchen Plakaten werben zu müssen, die Verschmutzung des Strandes und das absoluten Fotografierverbot (auch wenn wir uns nicht daran hielten) machen das ganze eben doch zu einer sehr zweifelhaften Industrie.

Fürs erste lasse ich es hiermit gut sein, denn die Zeit drängt und wir müssen wieder los. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Tagen wieder das ein oder andere Foto in die Galerie stellen kann.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s