Hyderabad – „Hello Sir, where are you from?“

Nachdem ich ja gestern schon gesagt habe, dass mich Indien beim ersten Anblick doch ueberfordert hat, muss ich heute sagen, dass man das Chaos nicht als Problem ansehen sollte, sondern viel eher versuchen sollte, sich mit dem Trubel treiben zu lassen, anstatt dagegen anzukaempfen. Ein Bus zieht wenige Zentimeter vor dir vorbei? Egal. Eine Kuh legt sich mitten auf die Strasse, und es fuehrt kein anderer Weg vorbei? Unwichtig. Du stehst knoecheltief im Muell? Ignorier es, denn das ist Indien, und wenn du dich darueber beschwerst, wird es dennoch nicht besser.

Nachdem sich meine Gepaeckssituation noch immer nicht verbessert hat, und ich weiterhin nur mit meinem Handgepaeck unterwegs bin, habe ich mich dennoch dazu entschlossen, herauszufinden, was es in Hyderabad unter all dem Dreck und Staub zu entdecken gibt. Um mich etwas besser in das Chaos einfuehlen zu koennen, hatte ich beschlossen, die erste Etappe des Tages, naemlich jene von meinem Hostel bis zur grossen Buddha-Statue zu Fuss zurueckzulegen (etwa 5 Kilometer).

Zum Golconda-Fort und den Qutb Sahi Tombs liess ich mich dann doch lieber per Tuk-Tuk bringen, denn auch wenn es sehr interessant ist, das Leben auf der Strasse zu beobachten, ist es immer noch ein noch groesseres Erlebnis, sich per Tuk-Tuk in den Verkehr zu begeben. Es laesst sich nicht in Worte fassen, was hier auf der Strasse passiert, aber dennoch scheint jeder Fahrer seinen Platz in diesem Chaos zu haben.

Zu den Indern selbst muss ich sagen, dass sie noch freundlicher sind, als ich es mir vorgestellt habe. Hier ist es auch egal, ob du Inder, oder Auslaender bist, denn du bekommst nicht mehr oder weniger Aufmerksamkeit dadurch (wobei ich sagen muss, dass ich in 3 Tagen lediglich 2 Touristen aus „dem Westen“ gesehen habe – Hyderabad scheint tatsaechlich abseits der ausgetretenen Touristenwege zu liegen).

Die einzige erhoehte Aufmerksamkeit hatte ich im Golcanda-Fort bekommen, denn das ist ein Ort, der gerne von Indern besucht wird, und freilich haben die auch ihre Kamera dabei. Was bedeutet, dass sie gerne Fotos machen. Am liebsten, so scheint es, von weissen Touristen. Etwa ein dutzend Leute wollten unbedingt ein Foto von mir/mit mir haben. Ein Paar wollte sogar, dass ich ihr Baby dabei halte.

Natuerlich bekommt man auch immer die selbe Frage gestellt:

Inder #1: Where are you from?“

Ich: „Austria“

Inder #1: „Ah, Australia“

 

Inder #2: „Which country you come from?“

Ich: „Austria“

Inder #2: „Aha, American“

 

Inder #3: „Country?“

Ich: „Austria“

Inder #3: „U-STRI-E ??“

 

Inder #4: „Where do you come from?“

Ich: „Germany“

Inder #4: „Ah Germany! Winning World Cup. Drinking Beer. Good!“

 

Ja was soll ich da denn noch gross dazu sagen? Stolz bin ich zwar nicht darauf, aber bevor ich jedes mal aufs neue erklaeren muss, wo denn dieses dubiose „Austria“ nun liegt, bekennte ich mich eben zu unserem „Grossen Nachbar“ und erspare mir Nerven.

 

 

 

2 Gedanken zu “Hyderabad – „Hello Sir, where are you from?“

  1. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Auf meinen Inka-Trail Ticket stand bei der Nationalität doch tatsächlich „Australia“. Was einen Lachanfall bei mir und dem Australier unserer Gruppe ausgelöst hat. Immerhin stand bei ihm das richtige Land 😉

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  2. Hahaha, ich kann dir allerdings versichern, dass es dir auch in China so ergangen wäre. Selbst, wenn du 奥地利 (Austria auf chinesisch) klar sprechen kannst kommt die Gegenfrage Australien? Oder gar Italien? Letzteres hat phonetisch ein wenig Ähnlichkeit mit deiner Heimat.
    Ich weiß das aber auch nur, weil ich irgendwann die Nase voll hatte, auf Bier, Fußball und teure, große Autos angesprochen zu werden. Aber es macht auch nur begrenzt Spaß festzustellen, das das schöne Österreich in Asien so unbekannt ist 🙂

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