Trekking in Nordthailand – Ein Erlebnisbericht

Gleich vorweg: das könnte etwas länger werden.

Ja es war an der Zeit, den Tempeln „Auf Wiedersehen“ zu sagen, um einmal etwas anderes zu machen. Die meisten die nach Nordthailand kommen, verschlägt es nach Chiang Mai, und weiters in eines der hundert Reisebüros, die eine Trekking-Tour anbieten.

„Nein, ich mach das in Chiang Rai“ war meine Standardantwort, wenn ich von einem der Anbieter gefragt wurde, ob ich nicht eine seiner Touren buchen möchte. Von Chiang Rai erwartete ich mir „echteres“ Trekking – mit weniger Touristen.

Und so war es dann auch. Zumindest was die Touristen betrifft. Wurde ich in Chiang Mai noch von dutzenden Leuten angesprochen, musste ich hier selbst nach einem passenden Angebot suchen – nicht, dass es nicht genug Büros dafür gäbe, aber als Alleinreisender war es schwierig, sich einer Gruppe anzuschließen.

Als sich dann einer der Mitarbeiter des Orchidis Guesthouse aufopfernd für mich einsetzte, war eine 2-Tagestour schnell gefunden.

Unsere Gruppe bestand aus:

-) 4 Franzosen (deren Namen ich nicht mehr weiß, vermutlich deshalb, weil sie auch kein großes Interesse hatten, sich in die Gruppe einzubinden)

-) 2 Italienern (Isabella (24) und Fabio (31) – bessere „Mittrekker“ hätte ich mir eigentlich nicht wünschen können). Isa war quasi das Sprachrohr für Fabio, dessen Englisch nur die Basics abdeckte. Dennoch habe ich mich selten mit einem Menschen nur durch Gestik so gut verstanden wie mit ihm.

-) Fido, unser Guide, der für uns kochte, und in dem wir schnell einen fürsorglichen und gesprächsbereiten Menschen fanden.

-) und natürlich meine Wenigkeit

Zur Tour: ja, die Bootsfahrt und das Elefantenreiten waren bei jeder Tour dabei, also hieß es zuerst diese Programmpunkte erledigen, bevor es zum eigentlichen Trekking kam. Dieses gestaltete sich dann anspruchsvoller als befürchtet. Es ging etwa 3 Stunden querfeldein durch Maisfelder und dichten Bambuswald, immer höher und höher. Ein paar kurze Pausen gab es zwar, doch jeden Schluck den man trank, drückte es kurze Zeit später wieder aus jeder einzelnen Pore. Mit meinem Ärmel wischte ich mir immer wieder den Schweiß vom Gesicht, doch bald fragte ich mich, ob ich eigentlich den Schweiß abwischte, oder mein Gesicht nur noch feuchter machte.

Lediglich der Gelsen-Spray zeigte erstaunlich gute Wirkung.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann eines der Bergdörfer. Freundlich wurde uns Tee gereicht. Dann konnten wir die Gegend erkunden. Fido nahm mich jedoch mit, und zeigte mir das Dorf und seine Geschichten, während sich die anderen ausruhten.

Er meinte, dass das viele Grün uns nicht täuschen soll: die großen alten Bäume sind längst von geschäftstüchtigen Chinesen gefällt und verkauft worden und das was wir heute sehen, sind nur große Bambuswälder und Tee-/Reisfelder. Auch das Problem mit dem Opium sei wieder da. Auch wenn die Regierung den Handel und Verkauft stark reduziert habe, sei es noch immer eine wichtige Einnahmequelle. „5 Bath for 1 Kg Mais and 100.000 Bath for 1 Kg Opium – that’s crazy“. Er lachte,  schüttelte dabei aber den Kopf und ging weiter.

Er erzählte mir Geschichten von einem Kind, dass eines der Bambushäuser niedergebrannt hatte, von dem Problem der Langeweile vieler Bergbewohner und der Alkohol- und Drogensucht, die die Leute hier stark in der Hand hat.

Danach ging es ans Essen machen, wobei Isa, Fabio und ich Fido halfen. Dabei brachte einer der Dorfbewohner eine kleine Schüssel herein, die Fabio sofort begeisterte. Darin lag eine lebende Bambusraupe, die Fabio natürlich kosten wollte. Seine Augen leuchteten, als er dabei zusah, wie sie auf der heißen Kohle zubereitet wurde. Danach wurde sie geschält und Fabio gereicht. Der zerteilte sie, und meinte, ich solle auch kosten. „Like chicken“ meinte er. „Si, like chicken“ – es schmeckte gar nicht so schlecht.

Fido reichte dazu „Happy-Water“ – einen selbstgebrannter Reisschnaps. Während sich die 4 Franzosen ein Stamperl teilten, füllte Fido unsere Gläser bereits nach.

Das Essen war perfekt und mehr als jeder von uns essen hätte können. Nach dem Essen verzogen sich die Franzosen bald in ihre Hütte während wir zu dritt noch draußen saßen.

Als dann die Kinder des Dorfes dazukamen, war es vorbei mit der Ruhe. Wir spielten mit ihnen Spiele, ohne ein Wort zu verstehen, Fido spielte auf seiner Gitarre und alle hatten Spaß. Nur das Fido sagte, dass viele der Kinder ohne einen Elternteil aufwachsen, weil viele der Eltern wegen Opium im Gefängnis sitzen, drückte die Stimmung etwas.

Um Mitternacht gingen auch wir dann in unsere Hütte, doch im Schein der Taschenlampe sahen wir dann Dinge die besser unentdeckt geblieben während. Da huschte eine Kakerlake über den Boden, eine Wanze saß innerhalb es (zum Glück vorhandenen) Gelsennetzes und eine handtellergroße Spinne versteckte sich in einer der Ecken. Fabio nahm einen Schuh, stieß gegen das Netz und meinte: „Este kaputto – No problemo“ (meine schlechte Transkription des Italienischen sei mir an dieser Stelle verziehen). Naja schnell unter das Netz und nicht dran denken.

Um 08:30 wurden wir geweckt, aber der Hahn hielt mich sowieso schon seit Sonnenaufgang wach. Es gab Früchte, dann ging es weiter durch die dichten Wälder der Hügel.

Ein Regenschauer erwischte uns, doch wir waren zum Glück in der Nähe einer Hütte. Wir wurden zwar nicht nass, aber der sowieso schon steile Weg war von da an auch noch nass und schlammig. Es wurde also doch noch ein bisschen abenteuerlich.

Erneutes Mittagessen und Weiterwandern füllten großteils des Tages. Als wir dann den Wasserfall erreichten, meinte Fido, dass wir jetzt baden gehen würden. Wir sahen sich fragend an, doch da war Fido bereits im Wasser. Die anderen sahen sich noch fragend an, während Fabio mir zunickte, und kurz darauf Fido folgte. Nun, an Badesachen hatten alle gedacht, an ein Handtuch jedoch nicht. Aber egal, unsere Sachen waren sowieso schon nass.

Am Ende erwischte uns dann doch noch der Regen. Kamera, Geld und Pass wurden schnell in Frischhaltebeutel gestopft und es ging weiter. Abschließend gab es noch in Bad in den heißen Quellen und anschließendem Tranfer zurück zum Guesthouse. Dabei tauschten Isa und ich noch eMail-Adressen aus und dann waren die beiden Trekking-Tage auch schon vorbei.

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