Spiel, Satz und Sieg

Montag, 24. Juni 2013
Nachdem ich nach erneutem Anstellen endlich das begehrte Eintrittsticket in meinen Händen hielt, dachte ich, dass ich es geschafft hätte und auf das lange Warten nun ein entspannter Tag voller Tennis auf mich warten würde. Jedoch musste ich schnell feststellen, dass ich mich geirrt hatte: die größten Teile der Anlage waren noch versperrt und die Stewards achteten genauestens darauf, dass niemand verfrüht die Anlage betrat. Also hieß es wieder warten. Dabei war es nicht verwunderlich, dass es einem bereits erlaubt war den Shop zu besuchen oder sein Geld an einem der zahlreichen Snack-Ständen zu investieren.

Die Matches auf den großen Courts sollten erst um 13:00 beginnen, das hieß, dass ich gut 3 Stunden Zeit hatte, mir Matches auf den kleineren Plätzen anzusehen, bevor dann die Stars dieses Sportes aufschlugen. Als es um 10:30 aus den Lautsprechern tönte: „We will now open the gates, please don’t run“, konnte man die Erleichterung der tausenden Fans förmlich spüren. Die Stewards gaben den Weg frei und ich durfte endlich die Anlage betreten.
Keines der bevorstehenden Matches hatte schon begonnen, aber dennoch gab es zwei Spieler, die auf Court No. 11 zu sehen waren. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht: hier trainieren gerade Roger Federer und Marin Cilic. Für die meisten gab es nun kein Halten mehr, und sie drängten sich in die engen Gassen,die die kleinen Courts von einander trennten. MitEntschlossenheit und ein wenig Gestoße und Gestränge schaffte ich es bis in die erste Reihe. Da stand er also: jener Mann, der diesen Sport so sehr geprägt hatte wie kein anderer. Die Fans beklatschten jeden Schlag. Die Stimmung war unglaublich. Ich wusste, dass es meine möglicherweise einzige Chance sein würde, Federer so nahe zu sein, also drängte ich mich durch die Massen, um im Shop einen Tennisball zu erwerben. Lange Rede kurzer Sinn: Federer schrieb nach seinem Training geduldig Autogramme, und ließ dabei seinen Rivale Rafael Nadal, der ebenfalls auf Court No. 11 trainieren wollte, warten. Positiv: mein teuer erkaufter Tennisball wurde von ihm signiert.

Um 11:30 war es so weit: das 127. Wimbledon-Championship war eröffnet. Ich wusste nichts von solch großen Turnieren und war überrascht wie nah man vielen Spielern während des Matches war. Hätte man die Hand ausgestreckt, hätte man die meisten während des Aufschlags umstoßen können. Auch auf der Anlage konnte man viele Spieler außerhalb der Top 50 beobachten, wie sie unerkannt und ohne jeglichen Schutz ihren Weg zwischen den Courts suchten. Lediglich Federer, Nadal, Scharapowa und alle weiteren Spieler die zur Weltspitze  gehören, konnte man schon an der Schar von Stewards erkennen, die sie umgaben, bevor man die Spieler selbst sah.
Vielleicht eine kleine Anmerkung zur Versorgung: auf der Anlage bekommt man alles, was man braucht, um einen unvergesslichen Tag zu erleben. Essen, Trinken, Kleidung, Souvenirs, Geldautomaten, Toiletten, Fotozubehör und Medikamente; alles vorhanden, jedoch hat diese Rundumversorgung auch ihren Preis: eine äußerst kleine Pizza für weit über 7 Pfund oder eine Cola fern der 3.50 Pfund. Etwas, das mich besonders beeindruckt hat, und zudem noch vollkommen gratis ist: ein riesiger Bildschirm, auf dem jeweils die Matches des Center Courts und Court No. 1 übertragen werden, für all diejenigen, die es nicht geschafft haben, ein Ticket für einen dieser Plätze zu ergattern, aber dennoch in den Genuss von Hochglanztennis kommen möchten. Während Roger Federer am Center Court das Turnier eröffnete, war der Hügel vor dem TV-Screen beinahe überfüllt.
Um 14:30 entschloss ich mich, meinen Platz auf Court No. 1 aufzusuchen, da das erste Match des Tages ein weniger beeindruckendes Damenmatch gewesen war.
Als anschließend Rafael Nadal den Platz betrat, brachen Jubelstürme los, und die Reihen füllten sich binnen weniger Minuten. Das Station mit seinen 11.000 Plätzen war restlos ausverkauft, und das in der 1. Runde. Sein Gegner, Steve Darcis, bis dato ein eher unbekannter Spieler außerhalt der Top-100 spielte das Match seines Lebens. Während des ersten Satzes hatte Darcis in 5 von 6 Aufschlagspielen Nadals‘ mindestens einen Breakball. Am Ende waren es 11, von denen er keinen einzigen verwandeln konnte; der Satz ging dennoch hauchdünn mit 7:6 an Darcis. Als Nadal im zweiten Satz bereits beim Stand vom 6:5 servierte, dachten alle, Nadal wäre nun ins Rollen gekommen. Doch ein sofortiges Re-Break und der erneute Gewinn de Tiebreaks läuteten den Anfang vom Ende von Nadals‘ Abenteuer in Wimbledon 2013 ein. Ein frühes Break besiegelte Nadal‘s Niederlage. Der 8-fache French-Open Sieger war gescheitert, und das sehr früh. Darcis wurde mit Standing-Ovation aus dem Station verabschiedet, und Nadal schrieb trotz sichtlicher Enttäuschung noch dutzende Autogramme.
Das letzte Match lautete Stanislas Wawrinka gegen Lleyton Hewitt, bei dem man die immer noch die starke Verbindung zwischen Großbritannien und dem aus dem Commonwealth Australien stammenden ehemaligen Weltranglisten Ersten und Wimbledon-Sieger Hewitt spürte. Er ging mit 3 glatten Sätzen als Sieger aus dem Match hervor.
Die Sonne stand bereits tief, als ich die Anlage an der Church Road verließ.

Ob ich irgendwann zurückkommen werde, weiß ich nicht; zu einzigartig war dieses Erlebnis für mich, und das soll es auch bleiben.

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